Cataratas magicas

Die Iguazu-Wasserfälle von der argentinischen Seite.

Drei Tage in Folge haben wir uns die Iguaçu-Wasserfälle angeschaut – und uns ist nicht langweilig geworden dabei. Mit dem Zeitpunkt unserer Besichtigung hatten wir großes Glück, denn die Wasserfälle waren wegen Hochwasser zuvor zum Teil gesperrt. Auch unsere Tiersichtungen waren erfolgreich – nur eines haben wir nicht gesehen.

Die Ausmaße der Iguaçu-Wasserfälle sind kaum vorstellbar. Mehr als 250 einzelne Wasserfälle auf einer Breite von 2700 Metern. Einige von ihnen sind 80 Meter hoch, viele immerhin 60 Meter. In den vergangenen Tagen sind hier 8000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gefallen. Normal sind 1500 Kubikmeter. Die Iguaçu-Wasserfälle gehören zu den sieben Weltwundern der Natur, meiner Meinung nach völlig zurecht. Ich habe so etwas noch nie gesehen.

Ein bisschen verrückt ist das schon, oder? Wir sind anderthalb Stunden von São Paulo nach Foz do Iguaçu geflogen, nur, um uns Wasserfälle anzuschauen – und das drei Tage in Folge. Eines vorweg: Uns ist dabei nicht langweilig geworden. Die Wasserfälle verlaufen am Grenzgebiet zwischen Brasilien und Argentinien, das heißt, man kann sie von beiden Seiten aus betrachten – und viele empfehlen das auch. Wir haben eine Übernachtung auf der brasilianischen und drei auf der argentinischen Seite gebucht (warum gleich drei weiß ich nicht mehr genau).

Direkt nach unserer (viel zu späten) Ankunft am Flughafen von Foz do Iguaçu, dem nächstgelegenen Dorf, sind wir in den Nationalpark gefahren, haben dort unser Gepäck eingeschlossen und sind Richtung Bus gelaufen. Da der Park weitläufig ist, fahren Busse zu den Aussichtspunkten. Die Eintrittskarte war nicht ganz billig (umgerechnet 20 Euro), in Argentinien war sie noch teurer. Am Eingang wollte man uns eine Bootstour noch andrehen, aber die lehnten wir ab. 60 Euro waren uns einfach zu viel.

Vom vorletzten zum letzten Bushaltepunkt führt am Fluss entlang ein etwa zwei Kilometer langer Trail, von dem aus man durchgängig die Wasserfälle bewundern kann. Am Ende steht man auf einer Plattform ganz nahe zu den Wasserfällen. Durch das viele Wasser ist man an dieser Stelle klatschnass geworden. Ein Grund, weshalb viele Leute dort mit Poncho herumlaufen. Dass die Wasserfälle, auf spanisch und portugiesisch „Cataratas“, komplett braun sind, hatte ich nicht erwartet. Das ist einfach dem Hochwasser geschuldet. Beeindruckend sind sie trotzdem, auch, weil man nie alle Wasserfälle auf einmal überblicken kann. Dafür gibt es zu viele und sie sind teilweise auch verwinkelt gelegen. Die typischen Fotos von den Wasserfällen, die man kennt, sind von der brasilianischen Seite aus aufgenommen.

Blick auf die Iguaçu-Wasserfälle von der brasilianischen Seite aus. (Foto: vku)

Gleich hier haben wir – etwas unerwartet – einen Nasenbären und mehrere Leguane gesehen. Einer von ihnen hat gerade einen Frosch gefressen. Manche waren auch richtig groß. Innerhalb von zwei Stunden war der Trail gut machbar. Die Leute in den Booten auf dem Wasser bewunderten wir aber ein wenig, weil die Strömung ganz schön groß war.

Nach einem wirklich tollen, hausgemachten Frühstück mit vielen Früchten und typischen Gebäcken verließen wir unsere Unterkunft in Foz do Iguaçu am nächsten Morgen und machten uns über eine Wiese zur Bushaltestelle auf. Der Bus brachte uns über die Grenze nach Argentinien. An der Grenze hielt der Bus an, wir alle mussten durch die Passkontrolle (einen Stempel gab es nicht) und durch einen Flughafenscanner (tolle Sache mit allem Gepäck). Glücklicherweise wartete der Busfahrer auf uns. Das brasilianische Netz wartete hingegen nicht auf mich und ich war internetlos.

Unsere zweite Unterkunft nahe Puerto Iguazu (beachtet die spanische Schreibweise) liegt mehr oder weniger mitten im Dschungel und das Personal spricht kein englisch. Mit ein paar Brocken spanisch machte uns die Frau an der Rezeption klar, dass wir sowohl den Bus als auch die Eintrittskarte zum Park nicht in Reales (brasilianische Währung) bezahlen können. Geld tauschen ist hier in Argentinien aber ein eher schwieriges Unterfangen. Wir zogen leicht verzweifelt trotzdem los, weil es auch nicht klappte, die Tickets online zu kaufen. Schnell stellte sich aber heraus, dass der Busfahrer sehr wohl meine Reales annahm und wir im Park mit Kreditkarte zahlen konnten (allerdings funktionierte meine zum Beispiel nicht).

Der Nationalpark Iguazu auf argentinischer Seite entspricht eher einem Freizeitpark als der auf der brasilianischen Seite. Es gibt vier verschiedene Trails und mehrere Restaurants, Visitor Center und Souvenirshops. Wir erfuhren schnell: Den spektakulärsten Trail, den Garganta do Diabo (Devil’s Throat auf englisch), konnten wir aufgrund des Hochwassers gar nicht besuchen. Also stürzten wir uns auf die anderen drei. Zwei davon gingen direkt an den Wasserfällen entlang, einer eher unterhalb (Inferior Trail) und einer eher oberhalb (Superior Trail). Der Pfad besteht zu großen Teilen aus Metallbrücken, die auf das Wasser oder am Dschungel entlang gesetzt wurden. Dadurch kam man den Wassermassen schon sehr nahe und konnte bei einigen Wasserfällen direkt an die Fallzone schauen. Die vom Park angegebenen Zeiten fanden wir allerdings ein bisschen übertrieben. Während für einen Trail zwei Stunden Gehzeit angegeben waren, schafften wir zwei in zweieinhalb Stunden, inklusive Fotostopps.

Cataratas de Iguazu von der argentinischen Seite aus. (Foto: vku)

Am ersten Abend waren wir etwas verzweifelt. Wir wussten nicht, ob der Teufelsschlund am nächsten geöffnet haben würde, wie wir hier bei den hohen Preisen am besten von A nach B kommen (Uber funktioniert kaum) und wir waren enttäuscht vom Essen. Es war viel zu teuer und viel zu wenig. Geld am Automaten sollte man nicht abheben, da man zu viel Geld verliere dabei. Also probierte es Julia einfach mal damit, in eine Weinhandlung zu laufen und ihre übrigen Reales in Pesos einzutauschen. Und siehe da: Die Verkäuferin wechselte, sogar zu dem Kurs, den uns auch unsere Währungsrechner-App ausspuckte. Na immerhin.

Am nächsten Morgen öffnete sogar der Garganta do Diabo wieder, wie wir bei Instagram erfuhren. Der Tag war gerettet. Zuvor machten sogar Gedanken, einen früheren Flug zu nehmen, die Runde. Die waren nun beseitigt und wir machten uns auf zum Teufelsschlund. Im Nationalpark Iguazu bekommt man den Eintritt für den zweiten Tag für den halben Preis (22 Euro, normal 45). Kurz bekamen wir noch einen Schreck, als es hieß, dass die Kartenlesegeräte nicht funktionieren würden. Den größeren Schreck noch bekam Nicole, als der Bankautomat ihr anzeigte, Geld abheben koste zwölf Euro. Das Lesegerät funktionierte zum Glück doch.

Der zweite Tag auf der argentinischen Seite gefiel uns noch viel besser als der erste. Der Garganta Diablo ist zurecht der spektakulärste Trail, er war in den vergangenen Tagen auch im (deutschen) Fernsehen zu sehen, da die Wasserfälle wieder komplett geöffnet sind (ja, anscheinend ist gerade Winterloch). Wieder wurden wir ganz schön nass auf der Aussichtsplattform ganz vorn, weil die Wassermassen kräftig wirbeln.

Noch toller als die Trails gefielen mir aber an diesem Tag die Tiere. Anders als am Tag zuvor haben wir sehr viele gesehen, unter anderem Nasenbären, viele bunte Schmetterlinge, erneut Leguane und Eidechsen und viele Äffchen, die sich von Baum zu Baum hangelten. Leider versteckten sich die Tukane vor uns. Sie hätten wir gern gesehen, allein, weil sie auf jedem Schild und jedem Logo der Parks zu sehen sind.

Mehrere Kapuzineräffchen im Nationalpark Iguazu. (Foto: vku)

Zu unserem Tukan kamen wir dann schließlich heute noch, an unserem letzten Tag in Iguazu. Und zwar gibt es hier ganz in der Nähe unserer Unterkunft ein Tierkrankenhaus, besser gesagt ein Reservat. Kranke und verletzte Tiere aus ganz Argentinien werden hierher gebracht, versorgt und bestenfalls wieder in die freie Wildbahn entlassen. Diejenigen, die nicht mehr allein überleben würden, bleiben dort. Neben ein paar schönen Tukanen haben wir dort sogar in freier Wildbahn einen Papageien gesehen. Hat sich also gelohnt, extra hierfür nach Iguazu zu fliegen.

Ein Tukan im Reservat Güira Oga in Puerto Iguazu. (Foto: vku)

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