Wir waren viel unterwegs in den vergangenen Tagen. Von der Ilha Grande bis auf die argentinische Seite der Iguazu-Wasserfälle haben wir es geschafft. Geschafft haben wir es nur mit viel Durchfragen und Geduld. Wir wurden belohnt mit dem hübschen Städtchen Paraty und einer wundervollen Wasserfall-Aussicht.
Wir haben wirklich viel gewartet in den vergangenen Tagen – und dabei gelernt, dass es die Brasilianer*innen gern ein wenig gemütlicher angehen. Zum Beispiel am Flughafen. Aber von vorn. Am Montagmorgen wollten wir direkt mit dem ersten Speedboat zurück von der Ilha Grande auf das Festland, um von dort aus nach Paraty zu fahren. Als wir um viertel vor acht am Bootsanleger ankamen, war die Acht-Uhr-Fähre schon ausgebucht. Also warteten wir auf die um neun Uhr. Dieses Mal ging es ohne Dusche zurück.
In Angra dos Reis, dem Städtchen auf der gegenüberliegenden Seite auf dem Festland, suchten wir ein wenig nach der Station für den Bus nach Paraty. Ein älterer Mann hat uns mit Händen und Füßen erklärt, wann und wo der Bus abfährt – und dass wir bei der Hitze doch bitte im Schatten warten sollen. Recht hatte er, denn der nächste Bus fuhr erst in anderthalb (!) Stunden. Als er dann kam, wurde er pickepackevoll und brauchte mehr als zwei Stunden nach Paraty. Normal wären mit dem Auto vielleicht anderthalb Stunden. Ein Verkäufer (voller Inbrunst) wollte uns im Bus noch seine Sachen verkaufen, erzählte Geschichten von seiner Familie, verteilte die Produkte danach an die Fahrgäste – um sie kurze Zeit später wieder einzusammeln.
Paraty war richtig schön, Nicole sagt, für sie das Highlight in Brasilien. Schade, dass wir dort nicht übernachtet haben. Paraty wirkt wie ein total vergessener Ort aus einem anderen Jahrhundert. Mit alten Häusern und Kopfsteinpflaster. Auch Pferdewägen fuhren noch durch die Straßen. Das Beste an Paraty war ein Einheimischenlokal, das ich durch Zufall bei Google Maps entdeckt hatte. Meine Theorie für gute Lokale in Südamerika: Es muss Plastikstühle geben. Viele Einheimische essen fast nur auf Plastikstühlen. Ihr Essen ist meistens gut.

Am Abend fuhren wir spät mit einem (fast leeren) Nachtbus von Paraty nach São Paulo. Anders als in neunzig Prozent der Fälle in Brasilien, fuhr der Bus schneller als gedacht. Um halb fünf warf er uns raus, wir waren angekommen. Na toll. Hundemüde suchten wir uns morgens um kurz nach fünf ein Uber, das uns in die Stadt bringt. Dort wollten wir frühstücken und dann nach Foz do Iguaçu fliegen. Im Gegensatz zum Busfahrer hatte es das Flughafen-Personal aber gar nicht eilig. 11:10 Uhr sollte der Flieger abheben, 11:10 Uhr war ich noch nicht einmal im Flieger. Um halb zwölf standen wir noch in einer Schlange vor dem Bus, der uns zum Flugzeug bringen sollte. Die Mitarbeiter waren ewig damit beschäftigt, Schlangen an Menschen mit den Absperrgurten in alle möglichen Richtungen zu lotsen, wie wild auf ihren Klemmbrettern zu schreiben – und sich die ganze Zeit über angeregt mit Kollegen zu unterhalten. Sie haben einfach einen anderen Rhythmus in Brasilien.
Wir sind tatsächlich noch am selben Tag in Foz do Iguaçu angekommen und konnten noch den Nationalpark besuchen, doch das Bussystem bleibt auch hier ein Rätsel. Wann die Busse fahren, weiß niemand so genau. Wo sie genau halten, auch nicht. Wir haben deshalb dem Fahrer klargemacht, wo er uns herauslassen sollte. Was gut ist: Die Busfahrer, die während der Fahrt pausenlos essen, trinken und Sprachnachrichten verschicken, nehmen Reales und Pesos. Wir mussten also nicht direkt an der Grenze Geld tauschen. Was auch positiv ist: Der Busfahrer, der uns über die Grenze nach Argentinien brachte, wartete sogar auf uns, als wir uns am Migration Service für die Einreise melden mussten.
Gestern Abend warteten wir am Busbahnhof auf den nächsten Bus, der uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. Wir fragten am Infoschalter nach, der Mitarbeiter sagte, um neun Uhr kommt der nächste Bus auf Gleis 10. Also in einer knappen halben Stunde. Wir warteten und warteten. Um neun war kein Bus zu sehen, dafür ein paar andere Leute, die auch warteten. Wir fragten eine Frau, die mitten einem Gepäckmeer stand, weil wir dachten, sie muss ebenfalls Richtung Flughafen (unsere Unterkunft liegt ebenfalls Richtung Flughafen). Sie war total erschrocken und meinte in schnellem, unverständlichen Spanisch, dass der letzte Bus um kurz nach sieben gefahren sei. Der nächste komme erst um fünf Uhr morgens. Oje. In diesem Moment kam der Bus um die Ecke gefahren. Wem man hier was glauben kann – ich habe es noch nicht identifiziert.
Immerhin: Die Wasserfälle sind gigantisch, auf der brasilianischen und der argentinischen Seite eine Reise wert. Wir verbrachten eine Nacht auf der brasilianischen Seite (Foz do Iguaçu) und sind dann auf die argentinische Seite (Puerto Iguazu) gewandert. Dort verbringen wir insgesamt drei Nächte. Mehr zu den Wasserfällen schreibe ich euch im nächsten Text.
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