Auf Inseln ticken die Uhren anders

Die letzten Tage der Reise verbringen wir auf Ishigaki, der südlichsten Inselgruppe Japans. Die Standards von Festland-Japan kann man hier nicht erwarten.

Wir waren 20 Minuten nach sechs am Bus-Terminal. Zu spät. Der letzte Bus, der uns zu unserem Hostel bringen konnte, war schon abgefahren. Der letzte Bus in den Norden fuhr um 18.10 Uhr. In ganz Japan schließt alles früh, aber das war schon sehr früh. Vor allem, wenn es auf den Straßen noch von Menschen wimmelte, die jetzt gerade erst ausgingen. Nicht die einzige Eigenart auf Ishigaki: Der Bus vom Flughafen zum Busbahnhof in de Süden war tatsächlich zu spät. Im Laufe der Strecke hatten sich mehr als zehn Minuten Verspätung angesammelt. Das hatten wir noch nie in Japan.

Menschen auf Inseln sind immer speziell, glaube ich. Ich war schon auf einigen und stelle immer wieder fest, dass der Vibe ein anderer ist. Ruhiger, gemütlicher, aber auch egaler. Menschen auf Inseln haben meistens die Ruhe weg, weil sie wissen, dass die Politik sie sowieso in der Regel nicht hört und sie wiederum auf ihrer Insel auch unbeobachtet fast alles machen können.

Der Tag nahm doch noch ein gutes Ende für uns. Wir wurden von einer Japanerin zu einem richtig guten Fischlokal geführt (zweiter Stock in einem ranzigen Haus – wie hätten wir das bitte finden sollen?) und wurden anschließend von einem Fahrer unseres Hostels abgeholt. Hat zwar auch 4000 Yen gekostet, aber wir konnten es uns eben nicht aussuchen.

Zumal die Fahrt zum Hostel auch wirklich lang dauerte. Wir sind an der Kabira Bay, ganz im Norden der Insel. An dieser Bucht soll man besonders gut Mantas sehen können. Wir dachten, entsprechend viele Hotels, Bars und Restaurants gebe es hier. Von wegen! Eine einsame Einbahnstraße (korrigiere: ein einsamer, holpriger Einbahnweg) führte zu unserer Unterkunft, die am Ende der Straße liegt. Apartments scheint es hier nicht viele zu geben, Lokale und Bars ebenso wenig.

Wo wenige Menschen sind, sind dafür oft viele Tiere: Geckos, Frösche und Spinnen gehören zum Inventar (eine riesige Spinne krabbelte direkt mal über den Boden in unserem Schlafsaal). Vor dem Lokal, in dem wir Bier tranken, wartete eine Kakerlake auf Einlass und eine Gottesanbeterin fand meinen Arm einen guten Platz zum Verweilen. Ach ja: Am Morgen war das Zirpen der Grillen und Heuschrecken so laut, dass ich 1. dachte, draußen würde ein Motor laufen und 2. mein Trommelfell vibrierte, als ich direkt am Gebüsch vorbeilief. Es klingt absurd, aber glaubt es mir einfach.

Die Tiere im Wasser sind, die wir bisher gesehen haben, sind dafür umwerfend! Vor allem kleinere Fische in allen möglichen Farben – ich will nichts Falsches erzählen und sage deshalb nicht, welche es sein könnten – sahen wir beim Schnorcheln. Überhaupt: Die geheimen Strände nahe der Kabira Bay waren für uns das bisherige Highlight: saubere Sandstrände, türkisblaues Wasser, kaum Menschen.

Kleiner Nachteil der schönen Strände: Die Sonne knallt unglaublich. Obwohl wir uns eingecremt hatten, war das bisschen Creme nicht genug, um die intensive Sonne eines Insel-Vormittags abzuhalten. Mal sehen, wie wir morgen aussehen. Gut, dass wir beim Tauchen Anzüge tragen:)

Zu unserem Besuch in Hiroshima schreibe ich übrigens auch noch einen Eintrag. Ich will mir nur gern Zeit dafür nehmen und mich ein bisschen einlesen vorher. Ist ja dann doch ein sehr schweres Thema.


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