Zwischen Buddha und Leuchtreklame

Die größte buddhistische Bronzestatue steht in Nara. (Foto: vku)

Wir verließen Kyoto und machten uns auf Richtung Osaka, unserer letzten Station auf der Hauptinsel Japans, auf der wir übernachten. Zwischenstopp machten wir in Nara – und wurden von einer Herde Rehe begrü´ßt.

Vorweg: Ich habe schon wieder einen Tag ausgelassen. Gestern waren wir in Kyoto auf Tempeltour, ich werde später darüber berichten. Gestern war ich vor lauter Tempel zu müde zum Schreiben. Und verzeiht mir meine Rechtschreibfehler (oder noch besser: Weist mich auf sie hin!), ich schreibe viel zwischendurch und am Handy, da rutscht einiges durch. Jetzt aber: Nach einer letzten Joggingrunde am wirklich schönen Flussufer Kyotos verließen wir die Tempelstadt und zogen weiter nach Nara.

In der kleinen Stadt östlich von Osaka steht das größte, rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt. Auch das musste ich googeln:) Der Grund: Die Halle wurde gebaut, um dem größten Bronze-Buddha der Welt ein Dach über dem Kopf zu bieten. So viel wussten wir vorher über Nara. Was wir nicht wussten: Nara hat mehr Rehe als Einwohner! Schon wenige Meter, nachdem wir Nara-Park betreten hatten (den Park-Stadtteil, in dem sich die Tempel-Anlagen befinden), lief uns einfach so eines über den Weg, blieb stehen, schaute uns an. Gleich dahinter das nächste! Kinder blieben stehen, machten Fotos, fütterten sie – bitte was?!

Von wegen ein, zwei Rehe. Auf der Parkfläche dahinter waren unzählige Rehe und Hirsche, alle zahm, manche lagen einfach nur da, andere ließen sich bereitwillig streicheln und an jeder Ecke wurden für 200 Yen Kekse für die Rehe verkauft. Natürlich eine reine Touristen-Attraktion. Weiß auch nicht, wie toll ich das finden soll, wenn die Tiere, die hier schon seit über Tausend Jahren beheimatet sind, sich jeden Tag nur von Reh-Keksen ernähren und von Kindern gestreichelt werden. Aber: Es funktioniert überraschend gut. Wir haben kein aggressives Tier gesehen und auch keine halben oder ganzen Wildunfälle (die große Straße läuft direkt daneben).

Der Park in Nara ist eine tolle Sache, da man überwiegend im Schatten zu den Tempeln und Schreinen läuft. Ja, auch hier gibt es eine Menge davon, aber überschaubar im Vergleich zu Kyoto. Die Hauptattraktion ist ohnehin der große Buddha im Todai-Ji-Tempel. 57 Meter hoch ist das Holzgebäude und es sieht eigentlich auch nur aus wie eine sehr große Scheune. Die Buddha-Statue, die darin aufbewahrt wird, ist mächtig. Okay, ich habe sie mir noch größer vorgestellt, aber das ist einfach meine übertriebene Erwartungshaltung. Ein paar Zahlen, damit ihr euch das vorstellen könnt: Die Statue ist 15 Meter hoch und wiegt 452 Tonnen. 15 Meter ist jetzt erst einmal nicht so viel. Die Bavaria auf der Theresienwiese ist über drei Meter höher. Aber: Sie wiegt „nur“ 87 Tonnen. Also doch ganz schön mächtig. Noch beeindruckender: Die Statue wurde 751 n. Chr. errichtet.

Wie das eben so ist an solchen Orten, wird man an der Sehenswürdigkeit vorbei recht schnell durchgeschleust. Die anderen Statuen in der Halle habe ich mir nicht ausführlich angeschaut, aber sie waren auf jeden Fall detaillierter und auch hübscher als der Buddha selbst. Wir liefen weiter, an einigen Rehen vorbei durch den Park und an der Straße (den aufgeheizten Asphalt bei 34 Grad spürte man sofort) und beendeten unsere Tour durch Nara-Park an einem kleinen See, der wieder einmal gar nicht so hübsch war. Wie leider bisher alle Gewässer, die wir hier sahen: Sie hatten selten klares Wasser, viel Dreck, Moos, viele Äste darin, plus viele Schildkröten.

Die Haupteinkaufsstraße Naras enttäuschte uns ein wenig, Souvenirs und schöne selbstgemachte Mitbringsel fanden wir gar nicht. Ein sehr empfehlenswertes Okonomiaki-Restaurant dagegen schon. Okonomiaki ist bekannt für die Kansai-Region (alles rund um Kyoto, Nara, Osaka), es ist wie ein großer Pfannkuchen mit Gemüse und Fleisch oder Fisch darin. Wir hatten eine Variante mit Meeresfrüchten und eine mit Thunfisch und Käse. Der Pfannkuchen wird dann auf einer Grillplatte am Tisch direkt ausgebacken. Schon das ist ein Erlebnis! Für uns ist Okonomiaki nach so viel Reis und Nudelsuppen einfach eine tolle Abwechslung.

Wir fuhren weiter nach Osaka, die drittgrößte Stadt Japans (nach Tokio und Yokohama) und waren verwirrt. Eine einsam-verlassene Markthalle mit vielen kleinen Kneipen darin. Eine alte, kaputte Schiebetür, dahinter ein Tresen, ein Fernseher, viele Alkoholflaschen und ganz besonders gruselig: Ein oder zwei Frauen, die im Türrahmen standen und entweder telefonierten oder einen anstarrten. Viele Menschen mit Dosenbier, die einfach auf der Straße herumstanden. Versteht mich nicht falsch: In deutschen Großstädten gehört das ganz selbstverständlicherweise zum Stadtbild. Von hier waren wir das nicht gewöhnt.

Wir waren auch nicht gewöhnt, dass wir uns sogar ein bisschen unwohl fühlten, wenn wir durch die Straßen gingen und beäugt wurden. Wir gingen weiter nach Dotonbori, ins Ausgehviertel. In das Touristenviertel. Und wir wurden erschlagen.

Das Viertel heißt wie der gleichnamige Fluss, an dem die Straßen entlang laufen und es besteht vor allem aus Restaurants, Imbissbuden, Einkaufsläden, Bars. Dazu ein paar Spielhallen. Das klingt erst einmal nicht besonders. Ist es aber: Es ist lauter, bunter, verrückter als wir es jemals gesehen haben. So viele Leuchtreklamen hingen an den Gebäuden, die Werbung machten für Kosmetik, Mode, Paris Saint-German (ja, wirklich). H&M und Ikea erinnerten eigentlich eher an deutsche Einkaufsstraßen, wäre da nicht die klappernde Krabbe, die über dem Restaurant nebenan thronte.

Genauso verrückt wie die Atmosphäre waren die Menschen. Während bisher in den Städten alle so wie wir in Deutschland (aber doch eher akkurat herumliefen), sah man hier viele Mädchen und Frauen im Manga-Stil mit kurzen Röcken, Spitze, Strümpfen und gebleichten Haaren. Viele Männer mit Tattoos und Piercings. Generell viele verrücktere Menschen.

Ich habe gelesen, die Menschen aus der Kansai-Region sind frecher, vorlauter und halten sich nicht so gern an Regeln. Spätestens in Osaka kann ich das bestätigen. Naja, wir fremdeln trotzdem ein bisschen mit der Stadt.


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