Tervetuloa takaisin!

Nach ein paar Tagen Abwesenheit erkenne ich mein Finnland nicht wieder, denke ich: Feiernde Menschen, Alkohol in Kneipen und Helligkeit am Morgen! Zum Glück zeigte mir Helsinki schon nach ein paar Stunden, dass sich manche Sachen nicht ändern.

Tervetuloa takaisin, Willkommen zurück. Da war ich wieder, nach einigen Tagen der Finnland-Abstinenz. Und fast schon dachte ich, ich erkenne die Stadt nicht wieder. Feiernde Menschen abends auf der Straße! Offene Kneipen! Ach du Schreck, abendliches Leben in Helsinki! Eine neue, einschüchternde Erfahrung, als ich Sonntagabend am Hauptbahnhof ankam. Viele Menschen in weiß-blauen (nein, das sind keine Bayern) Hüten, Shirts und mit aufgemalten Flaggen im Gesicht. Finnland hat am Sonntag das olympische Eishockeyturnier gewonnen. Noch ein Grund mehr zum Feiern.

Von Null auf gleich mehrere Gründe. In meinen ersten Wochen in der finnischen Hauptstadt befand sich das Land noch im Lockdown, die Maßnahmen eher deutsch als englisch. Von Deadline Day war keine Rede. Nun scheint es, als habe er ohne mich stattgefunden. Dass Finnland die Coronaregeln im Februar lockert, wusste ich. Nach einem Aufenthalt in Mainz, wo Feierei noch kein Thema ist, ist diese Atmosphäre aber doch ein kleiner Schock.

Na, dann kann ich ja endlich feiern bis zum Morgengrauen (Achtung, tolle Überleitung). Denn, siehe da: Es ist plötzlich viel früher hell! Anfang Februar noch fühlte sich acht Uhr morgens wie tiefste Nacht an, jetzt wurde ich viertel nach sieben von Sonnenstrahlen geweckt. Ich habe keine Ahnung, wie das sein kann – aber es freut mich. Es wird Frühling!

Darf es noch ein bisschen mehr Schnee sein? Der (Jogging-)Weg zum Meer. Foto: vk

Wenige Stunden später schon wurde ich eines Besseren belehrt. Aus Sonnenschein wurde ein Schneesturm. Mehr noch: ein wütendes Schneemonster, das mir den Wind und die harten Schneeflocken ins Gesicht peitschte. Ich wusste schon, weshalb ich mich nie schminkte hier. Nach diesem kleinen Spaziergang am Abend sah ich aus wie Graf Dracula, die Schminke im ganzen Gesicht verteilt. Der Rest ähnelte einem Schneemann. An meiner Jacke und auf meiner Mütze blieben die weißen Flocken hängen, ich musste mich erst einmal abklopfen, bevor ich den Laden betrat.

Während die Räumfahrzeuge in ihrem Element waren, war der Busfahrer in der Frederikinkatu mindestens so überrascht über den Wintereinbruch wie ich. Das Gefährt stand halb auf der schmalen Straße, halb schräg auf dem Gehweg. Da kam niemand mehr durch. Ein Abschleppdienst band also den Bus an und nahm ihn mit. Auch noch nie gesehen. Die Finnen sind eben pragmatisch.

Da wird gerade ein Bus abgeschleppt, der im Schneegestöber nicht mehr weiterfahren konnte. Foto: vk

So schnell ändert es sich also: von Frühlingsbeginn bis tiefster Wintereinbruch in ein paar Stunden. Und ich hatte mein vertrautes Helsinki zurück. Endlich wieder Tiefschnee. Die Kälte geht, der Wind ist eisig und unangenehm. Also alles wie immer – fast. Auf den Frühling bin ich sehr gespannt und freu mich schon jetzt darauf.

So viel zu meinem aktuellen Gemütszustand – hoffentlich gibt es in dieser Woche noch einen ordentlichen Blog-Beitrag. Ich geb‘ mein Bestes:)


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