Die letzten Tage meiner Reise verbrachte ich nicht in Süd-, sondern in Nordamerika, in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Und obwohl sich die Stadt überhaupt nicht dafür anbietet, habe ich gechillt und fast nichts gemacht. Dabei habe ich festgestellt, wie wunderbar entspannt und unaufgeregt die USA auch sein können.
Schon bei meiner Zwischenlandung in Miami schlugen mir Trump-Shirts, Kappen, Magneten entgegen. Ich wusste schon dort: Das wird ein politischer Aufenthalt – und ein krasses Kontrastprogramm zu meiner bisherigen Reise. Das zeigte sich nicht nur in Trump-Stickern, sondern auch in Preisen: Der Kaffee am Flughafen kostete acht Dollar, die Nusspackung zehn. Das konnte ja heiter werden.
Zum Glück blieb der Flughafen ein besonders teures Pflaster, doch dass Washington DC teuer ist, steht außer Frage. Hier leben vor allem Menschen, die etwas mit Politik zu tun haben, in welcher Form auch immer – und die deshalb auch ein bisschen mehr Geld in der Tasche haben, um sich das Sandwich oder die Eier für zehn Dollar leisten zu können. Ja, richtig gehört: Eine Zehnerpackung Eier kostet in DC (so sagt man dort) zehn Dollar. Das liegt allerdings an der Vogelgrippe, die dazu führte, dass die Biden-Regierung 100 Millionen Legehennen in den USA hat töten lassen. In vielen Supermärkten sind die Eier dauerhaft ausverkauft.
Ein großes Angebot (und wohl auch eine große Nachfrage) gibt es überall in der Stadt an Burgern und Fries, was mich leider gar nicht interessiert. Dafür habe ich vergeblich versucht, einen cool belegten Bagel zu bekommen, doch die Läden, die mir empfohlen wurden, hatten allesamt geschlossen. Auch Veggie-Hotdogs suchte ich vergeblich – ich suchte aber auch nicht besonders lang und gründlich. Generell war ich sehr entspannt und ohne große Ambitionen in Washington unterwegs. Nach den fast vier Monaten in Südamerika hatte ich einfach keine Lust mehr auf ein durchgetaktetes Programm.
So kam es, dass ich morgens erst gemütlich laufen ging und erst dann überlegte, was ich machte. Die Freunde, bei denen ich wohnen konnte, überließen mir einen Schlüssel und ich konnte mich frei bewegen. Also ging ich am Dienstagmittag erst einmal zur National Mall, das ist ein großer, weitläufiger Park mit vielen Monumenten, die bekanntesten sind das Washington Monument und das Abraham-Lincolm-Memorial, die in einer Linie aufgestellt sind. Puh, ist das weit! Ich ging die ganze Strecke ab und wunderte mich, wie ich in den vergangenen Monaten überhaupt immer so viel laufen konnte. Vielleicht war aber auch gerade das der Grund, weshalb ich jetzt nicht mehr konnte und wollte. Zwischen den beiden Monumenten waren es 18 Minuten zu Fuß oder 1,3 Kilometer (laut Google Maps).
Das weiße Haus hatte ich mir schon direkt nach meiner Ankunft am Montag angeschaut und war enttäuscht, dass man durch die meilenweit entfernten Zäune gar nichts sieht. Deshalb bin ich auch kein zweites Mal dorthin. Umso beeindruckender fand ich allerdings das Kapitol. Hier sitzt der US-Kongress. Das Gebäude ist nicht nur durch die große Kuppel bekannt, sondern zuletzt vor allem aufgrund des Sturms auf das Kapitol, den Wieder-Präsident Donald Trump vor vier Jahren angezettelt hatte. In das Kapitol kommt man nur mit vorheriger Reservierung, die kostet zwar nichts, aber die Tickets sind dennoch Wochen vorher ausverkauft. Entsprechend hatte ich natürlich keines. Auch andere Versuche, über einen Presseausweis hineinzukommen, scheiterten.

Egal. Es gab ja noch andere beeindruckende Gebäude in Washington, die ich bestaunen durfte, zum Beispiel die Library of Congress. Sie ist eine der größten Bibliotheken der Welt mit 173 Millionen Inhalten und knapp 3000 Mitarbeitenden (laut Wikipedia) und vor allem auf Jura spezialisiert. Lustigerweise ist der Teil der Bibliothek, in den sich die Menschen drängen, ultraklein. Man bekommt einen Sticker, geht eine Runde durch, bestaunt neben den vielen Schreibtischen mit Lampen darauf die hohen Decken, großen Fenster, die Marmorpfahle und Deckengemälde. Dann war es das auch schon wieder. Auch eine der ersten Luther-Bibeln steht in der Library of Congress, genauer gesagt: eine von nur drei erhaltenen Luther-Bibeln, die auf Vellum gedruckt wurden, einem feinen Pergament.

Alles, was in den vergangenen Monaten im Übrigen an Bildung zu kurz gekommen war (spanisch lernen zählt nicht), konnte ich in Washington nachholen. Die Museen hier sind fast alle kostenlos. Die meisten gehören zur Smithsonian Institution, einer Forschungseinrichtung, die teils von der US-Regierung und teils von privaten Geldgebern finanziert wird. Auch der Washington Zoo gehört zu Smithsonian und ist kostenlos. Ich besuchte so das Museum of African-American History, das Museum of Natural History und die National Art Gallery. Letztere überzeugte mich leider kaum, weil ich mich im Skulpturenflügel verirrt hatte und mich Skulpturen leider kaum interessieren.

Insgesamt sind die kostenlosen Museen aber ein tolles Programm bei Regen – und es regnete leider viel während meiner Zeit dort. Dazu der kalte, beißende Wind, der an meinem letzten Tag in DC einen größeren Spaziergang verhindert hatte. Ich hatte mir Georgetown angeschaut, ein schönes, hippes Viertel mit vielen Backsteingebäuden. Hier sitzen auch ARD und ZDF, beide Sender habe ich nicht besucht, aber wohl auch nicht viel verpasst. Außerdem soll man in Georgetown auch gut shoppen können. Weil ich nur mit Rucksack unterwegs bin, fielen größere Einkäufe für mich aber auch aus (auch wegen meines kontinuierlich kleiner werdenden Reisebudgets).
Große Shoppingmalls und viel Leuchtreklame für Mode fielen mir dort aber ohnehin nicht auf, was ich sehr angenehm fand. Also setzte ich mich in Cafés, trank Kaffee, Pistacchio Cappuccino und Matcha Latte – normalerweise sind solche hippen Getränke nichts für mich. Aber wenn irgendwo etwas probieren, dann doch wohl hier! Ich werde bestimmt wiederkommen. Vielleicht nicht für den Matcha Latte, aber mindestens für ein paar Bagel oder Hotdogs. Wer weiß, wie sich die USA dann unter ihrem Präsidenten verändert haben. Ob die Proteste wohl mehr werden?
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