Mit Plan B in die Wüste

Wir sind wieder einmal zu Fuß über die Grenze gelaufen: Dieses Mal von Argentinien nach Bolivien, zuvor haben wir in Salta gesehen, wie Argentinien auch sein kann. Geplant hatten wir die Route anders, aber wer kann schon ahnen, dass die Busse über eine Woche im Voraus ausgebucht sind? Also mussten wir kreativ werden.

Es wird Zeit für einen neuen Blog-Eintrag, immerhin sind wir nun schon in Bolivien. Es passiert einfach sehr viel und ich komme nicht hinterher mit Schreiben, aber das wisst ihr. Unsere tolle Zeit auf der Carretera Austral schreibe ich wann anders auf, dafür muss ich mir mehr Zeit nehmen. Nach dem Ende der Carretera Austral und der Insel Chiloé sind wir nach Bariloche gefahren. Das hat uns echt gut gefallen dort. Es ist sehr europäisch: Die Preise allen voran, aber auch das Essen, die vielen Schokoladenläden, die Holzhäuschen, die genau so auch in den Alpen stehen könnten. Nur die Seenlandschaft rundherum ist wohl einzigartig: Bariloche liegt direkt am Gletschersee Nahuel Huapi (ja, es gibt einen Bilderbuch-Song, der so heißt). Da der See sich durch die umliegenden Wälder und Berglandschaften zieht, kann man dort wirklich super gut wandern gehen und Ausflüge machen.

Der Ausblick von einem der Strände im Llao Llao Nationalpark bei Bariloche. (Foto: vku)

Am ersten Tag haben wir die Wanderung zum Cerro Catedral gemacht, einem Berg auf rund 2400 Metern Höhe, direkt an einem Bergsee gelegen. Auch wenn die Wanderung recht ähnlich zu denen weiter im Süden Patagoniens ist (Bariloche gehört auch noch zu Patagonien), ist der Weg viel staubiger. Der Untergrund ist über weite Strecken sandig und fast ein bisschen rutschig. Und es gibt weniger Mücken, juhu! Am zweiten Tag sind wir in den Nationalpark Llao Llao westlich von Bariloche gefahren. Er ist quasi auf einer Halbinsel direkt am See, das war wunderschön. Viele Einheimische kamen an dem Tag auch dorthin, um den Tag am Strand zu verbringen. Generell verbringen auch viele Argentinier ihren Urlaub in Bariloche. Die vielen Pralinengeschäfte sind einzigartig in Bariloche. Wir sind abends jeweils zu Marmoushka, einem der größten und bekanntesten Läden in Bariloche, und haben uns zwei Himbeer- und Pistazienpralinen gekauft. Das hat unser Budget gerade noch hergegeben;)

Vor dem Cerro Catedral und der Laguna Tonchek. (Foto: Nicole Lang)

Von Bariloche sind wir direkt nach Salta geflogen – Mendoza haben wir ausgelassen. Denn unser Plan war es, von Salta aus in die Atacama-Wüste zu kommen, also von Salta aus mit dem Bus nach San Pedro de Atacama zu fahren. Den Bus konnten wir online nicht buchen (wie sonst) und auf einem Blog habe ich gelesen, dass man sie am besten vor Ort bucht. Umso größer war der Schock, als wir dann im Busbahnhof in Salta standen und uns die Frau am Schalter von Andesmar sagte, dass die Busse für die komplette nächste Woche ausgebucht sind. What?! Der nächste freie Bus würde erst am kommenden Samstag fahren. Wir könnten aber noch bei Pullman-Bus fragen, die fahren auch nach San Pedro. Nur leider war der Pullman-Stand geschlossen – und wie üblich in Argentinien, konnte uns auch niemand sagen, wann der wieder aufmachen würde. Argentinien, ey! Eine Woche in Salta herumsitzen? Die Stadt war schön, aber wir eben ohnehin schon im Zeitstress.

An einem der anderen Stände der Busfirmen sah ich, dass es auch direkte Busse nach Bolivien in die Stadt Tarija gab. Also zuerst nach Bolivien? Wir verlängerten zunächst um eine Nacht in unserem Kakerlaken-Hostel in Salta (dazu später mehr) und recherchierten, wie wir nach Bolivien kommen würden. Als noch einfachere Möglichkeit sahen wir, mit dem Nachtbus bis zum argentinischen Grenzort La Quiaca zu fahren und ab Villazón, dem Ort auf der anderen Seite in Bolivien, weiterzufahren nach Uyuni. Dort wollen wir gern die Salzwüste besuchen – und von dort aus können wir auch nach Chile zurück, in die Atacama-Wüste, und wieder nach Bolivien. Verwirrend für euch? Ja, für mich auch.

So kam es, dass wir heute Morgen bei klirrender Kälte – logisch: La Quiaca liegt auf 3400 Metern Höhe – hundemüde aus dem Bus purzelten und uns zur Grenze aufmachten. Dort war schon eine lange Schlange einheimischer Menschen (wir waren die einzigen beiden, denen man ansah, dass sie nicht von hier sind), die sich versammelt hatte. Großes Gedränge gab es an der bolivianischen Seite der Passkontrolle. Ein Grenzbeamter sammelte alle Pässe ein, es war ein Geschiebe und Gedränge und ich malte mir schon Szenarien im Kopf aus, ob und wie ich meinen Pass je wieder bekommen würde. Zum Glück ging alles gut und schon ein paar Minuten später konnten wir weiterlaufen Richtung Busterminal – und sind nach Uyuni gefahren.

Noch ein paar Worte zu Salta: Diese Großstadt im Nordwesten des Landes ist komplett anders als alle argentinischen Orte, die wir vorher gesehen haben. Zuerst, weil es günstig ist. Womit wir wieder bei den Kakerlaken wären: Wir nannten unsere Mitbewohner Freddy und Jonas und leider mussten beide am Ende dran glauben. Wusstet ihr übrigens, dass Kakerlaken fliegen können? Das war ein Grund, weshalb ich mich nicht ganz wohl in unserer Unterkunft fühlte, aber für umgerechnet 13 Euro die Nacht für zwei Personen war es ein unschlagbares Angebot. In Patagonien hat man nicht einmal für das Doppelte eine Übernachtung gefunden. Auch das Essen war günstig – und so anders zum Rest Argentiniens. Wir haben Maissuppe und Maistaschen gegessen, die gibt es eher hier oben in den Anden. Generell ist Salta kulturell und klimatisch eher von den Anden geprägt.

Ein geschmücktes Lama in Purmamarca. (Foto: vku)

Die Landschaft rund um Salta, besonders in der Region Jujuy, ist nicht weniger sehenswert als die in Patagonien. Es gibt Teufelsschluchten, Berge, die wie Elefantenfüße aussehen und 14-farbige Berge. Die Serrania del Hornocal ist unglaublich: Es ist, also ob sich grüne, gelbe, rote, orangefarbene, pinke Schichten der Reihe nach in die Berge gegraben hätten. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel. Außerdem ist alles voller Lamas und Vikunjas, letztere sieht man in der freien Wildbahn, sie sind kleiner und haben einen runden Kopf als Lamas. Lamas und Alpakas sind domestiziert. Die Leute in den Ortschaften schmücken die Lamas oft und benutzen sie als Fotomotiv, um Geld zu verdienen. Auf dem Weg nach Hornocal habe ich ein paar wilde Vikunjas gesehen, das war natürlich toller. Solltet ihr also von Norden aus nach Argentinien reisen und zuerst in Salta Halt machen, erlebt ihr Argentinien vermutlich ganz anders als wir.

Jetzt aber endlich Bolivien. Wie das wird, erfahrt ihr im nächsten Post:)


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