Windig. Weit. W-Trek.

An Tag 4 vor dem Gletscher Grey.

Nach vier Tagen auf Wanderschaft durch den Nationalpark Torres del Paine sind wir (längst) zurück in der Zivilisation. Wenn das Internet zehn Euro die Stunde kostet und es keinen Empfang weit und breit gibt, ziehen wir uns gern in patagonische Outback zurück. Wie sich Natur pur, Zelte auf Stelzen und Verluste in windigen Höhen für uns anfühlten.

Unsere Weihnachtswanderung ist nun schon mehr als eine Woche her, wir sind längst in El Chaltén und haben nicht einmal mehr dasselbe Jahr (frohes neues Jahr an alle:)). Da wir dort komplett ohne Internet waren, sind einige Fotos und Geschichten liegen geblieben. Nicole holt fleißig nach und postet, ich bin ein bisschen überfordert. Habe es rückblickend genossen, mal offline zu sein und verspüre jetzt gar keinen Drang, meine Fotos mit der Welt zu teilen. Ein paar Erlebnisse möchte ich aber schon loswerden. Ich versuche es chronologisch, aber verzeiht mir, wenn es wirr wird – und lang. Macht euch lieber noch einen Tee, bevor ihr loslegt.

Weshalb W-Trek? Dazu habe ich einen zweiten Text geschrieben. Hier kommt also reines Erlebnis-Reporting.

Tag 1: Im Nieselregen zu den Torres ( 22km, 1220hm)

Früh ging es los von Puerto Natales mit dem Bus in den Nationalpark. Im Bus waren alle Leute ruhig, wahrscheinlich haben sie geschlafen, so wie ich. Das Prinzip des Nationalparks wurde schnell klar: Man muss für alles extra zahlen. Der Bus konnte nur bis zum Parkeingang fahren, danach mussten wir mit einem Shuttle zum Welcome Center weiter. Das Shuttle kostete uns nochmal umgerechnet 4,50 Euro pro Person, da wir (bzw. ich) die sieben Kilometer bis dorthin nicht laufen wollte(n). Nach Frühstückspause für unser Riesenbaguette, das Nicole uns am Vorabend geschmiert hat, liefen wir direkt zu unserem Campingplatz, dem Camp Central. Dort ließen wir einen Rucksack stehen und nahmen nur Essen mit. Am Abend würden wir dorthin zurückkehren. Und überhaupt waren wir im Vergleich zu allen anderen Wanderern wirklich leicht bepackt: In Nicoles Rucksack passten 18Liter, in meinen 21. Das führte dazu, dass wir uns sogar ein Handtuch teilten.

Die Wanderung zum Mirador Base Torres war technisch recht einfach. Die meiste Zeit sind wir einen erdigen oder sandigen Pfad nach oben oder durch den Wald gelaufen. Viele Höhenmeter gab es zuerst gar nicht, meine größte Schwierigkeit bestand eher darin, nicht über Wurzeln zu stolpern und gerade richtig angezogen zu sein. Es war neblig und regnete ab und an ein bisschen. Gleichzeitig war es durch das Gehen warm, besonders, wenn man den Rucksack auf dem Rücken hatte. Die Anzieh-Problematik setzt sich bei uns hier in Patagonien übrigens fort: Wir wissen oft immer noch nicht, wie das Wetter in fünf Minuten sein wird und ob wir T-Shirt oder Winterjacke anziehen sollen.

Der letzte Kilometer vor dem Aussichtspunkt hatte es in sich: Plötzlich tauchten unzählige Menschen vor uns auf, vermutlich hatten sie viele an dem Treffpunkt vor dem Zugang zum Mirador (einen Kilometer vorher) getroffen, um gemeinsam hochzugehen. Der Anstieg ist steil und es gibt viele große Steine, die man teilweise nur mit großen Schritten oder festhalten hochgehen kann. Das führte zwangsläufig zu Staus auf dem Weg. Plötzlich war meine größte Sorge, keinen Wanderstock ins Auge gerammt zu bekommen. Regen und Wind wurden zusätzlich stärker, ich setzte meine Mütze auf und machte die Winterjacke zu. Das Ziel der Wanderung, die sich am Ende wirklich zog, war ein türkisblauer See im Vordergrund, und die Torres, Granitberge, die sich wie Türme beeindruckend Richtung Himmel schieben. Wir hatten Glück, dass sich der Nebel etwas verzogen hatte und wir die Torres zumindest zu einem großen Teil erkennen konnten.

Die Torres im Nebel auf der rechten Seite vom Mirador Base Torres. (Foto: vku)

Der Rückweg kam uns wesentlich schneller vor, wir machten einmal Pause und beobachteten dabei, wie vier Pferde (mit einem Reiter natürlich) Material zu einer Hütte lieferten. Im gesamten Nationalpark waren oft Fußgänger- und Pferdewege separat ausgeschildert. Dann liefen wir ein gutes Stück mit einer Familie aus Ulm, so verging die Zeit schnell. Gegen 18 Uhr waren wir wieder am Camp und konnten unser Zelt beziehen. Ich war so gespannt! Die Zelte, die zur Unterkunft gehören, stehen alle auf Stelzen, man klettert mit einer Leiter hinein. Unten hängen Netze am Zelt – praktisch, um die Klamotten und Schuhe zu lüften. Man konnte aber auch, wenn man diese Option gebucht hatte, sein eigenes Zelt auf dem Platz aufschlagen.

Abendessen gab es im Central-Refugio, in dem sich auch die Schlafsäle befanden. Wir bekamen vorher einen Zettel mit den Uhrzeiten für Abendessen und Frühstück. Zu unserer Überraschung gab es Bedienungen, die uns Suppe, Hauptspeise und Nachtisch servierten. Es gab Karottensuppe, eine Art Karottenpüree mit Veggiehack und Erdbeermousse. Danach blieben wir noch dort, um die Akkus von Handy und Uhr aufzuladen. Ein bisschen Camping-Feeling blieb. Ein Mädchen saß neben uns, das sich den Knöchel gekühlt hat, eine andere Frau erzählte uns, dass sie nicht mehr weiterlaufen konnte und deshalb mit dem Boot abgeholt werden musste. 500 Euro habe es pro Person gekostet. Ich hoffte einmal mehr, dass mein Sprunggelenk mitmachen würde.

Ein Zelt auf Stelzen: Praktisch, um mehr Platz zu bekommen. (Foto: vku)

Tag 2: Zu spät für den Mirador (18km, etwa 700hm)

Wir wachten durch die Sonne auf, die in unser Zelt hineinschien. Es war überraschend warm hier im Zelt (die Kälte war unsere größte Sorge vor dem Campen) und wir hatten wirklich gut geschlafen. Frühstück gab es um sieben. Neben uns saßen eine lustige Familie aus Kalifornien, die sofort erkannte, dass wir aus Süddeutschland kamen. Wir waren beeindruckt und erfuhren, dass sie eine tiefe Bindung zu Deutschland haben, der Vater Professor für deutsche Geschichte ist und einer der Jungs in Freiburg studiert hatte. Wir mochten sie echt gern und trafen sie noch ein paar Mal.

Der Trail bis zum Camp Francés war für uns der schönste der kompletten Wanderung, weil er die meiste Zeit direkt am See entlang ging und eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Berge bot. Hier war auch Nicoles absoluter Lieblingsspot der Wanderung, als wir freie Sicht auf See, Berge und einen Gletscher hatten. Wahrscheinlich spielte auch der Sonnenschein mit hinein, der den Tag wesentlich angenehmer machte, als den Vortag. Nicole hatte sogar die kurze Hose an. Vielleicht hätte ich sie auch besser angezogen? Als wieder einmal ein Bach mitten durch den Wanderweg floss, missglückte mein Versuch, auf einem Stein zu balancieren, ich rutschte ab und flog mit der linken Seite voll in den Matsch. Die Trekkinghose war komplett nass und schlammig, meine Jacke auch ein bisschen, die Hände total dreckig und sogar auf meiner Sonnenbrille waren Matschspritzer. Na supi.

Auf dem Weg zum Camp Francés, bei strahlendem Sonnenschein. (Foto: vku)

Gegen 14 Uhr erreichten wir den Campingplatz. Dort wollten wir unser Gepäck ablegen und dann zum Mirador Británico laufen, dem Mittelstück des W. Check-In war ab 14.30, also aßen wir erst einmal was. Wir hatten zuvor keine Pause gemacht. Wir hätten wohl auch auf diese Pause verzichten sollen: Als wir eincheckten, sagte uns der Refugio-Mitarbeiter, dass der Trail zum Mirador Británico um 15 Uhr schließt. Das würden wir definitiv nicht mehr schaffen. Wir liefen trotzdem los, kehrten aber kurze Zeit später um, als uns Wanderer entgegenkamen, die uns die frühe Schließung bestätigten. Ich verstehe es leider immer noch nicht, weshalb der Trail (wie übrigens auch der zum Mirador Base Torres) so früh schließt. Es ist bis 9 Uhr abends hell. Wir mussten also am nächsten Tag los. Da die Wanderung bis zu unserer nächsten Unterkunft aber ohnehin lang war, würden wir es nicht zum Mirador Británico schaffen, sondern nur zum Mirador Francés. Wir erzählten den Kaliforniern, die inzwischen auch eingetroffen waren, von diesem unglücklichen Timing. „Wenn es jemanden gibt, der das schafft, dann seid ihr das!“, sagten sie.

Nach einer Dusche setzte ich mich in den Aufenthaltsraum und wollte Internet kaufen. Im Nationalpark Torres del Paine gibt es kein Netz, an den Refugios und Campingplätzen kann man deshalb Internet kaufen. Ich dachte, für einen Anruf zuhause an Heiligabend würde ich mir das gönnen. Und da der nächste Tag der Heiligabend war, dachte ich, das sei eine gute Idee. Nun ja. Eine Stunde kostet umgerechnet 9,90 Euro. Würde ich Internet bis zum nächsten Morgen buchen, würde mich das 19 Euro kosten. Ich dachte echt, mich würde nichts mehr schocken. Einen Hotspot konnte ich natürlich nicht herstellen. Also „musste“ ich mich im Aufenthaltsraum beschäftigen, denn zurück ins Zelt gehen, in dem Nicole schlief, wollte ich nicht. Zum Glück kamen quasi sofort Menschen, mit denen ich mich unterhalten habe. Das war auch definitiv eine coole Sache an der Wanderung: Man lernte so viele Menschen kennen, mit denen man sofort ins Gespräch kam.

Die Luxuszelte im Camp Francés. (Foto: vku)

Das Abendessen bestand nur aus einer Essensbox, da es im Camp keine Küche gab, in der Essen zubereitet wurde. Dafür war das Essen sogar besser als am Vortag, gefüllte Paprika mit Veggiehack. Das nicht-vegetarische Essen war sogar ein Lachsfilet. Dazu hatten wir noch einen Gutschein für einen Welcomedrink bekommen. Zum Glück konnten wir aus einem süßen Beerengemisch ein Bier machen, damit waren wir dann beide sehr happy.

Tag 3: Windige Weihnachten (28km, etwa 1200hm)

Euch geht es bestimmt schon auf die Nerven, weshalb ich ständig davon schreibe, wie stark hier der Wind ist. Hier bekommt ihr zu lesen, wie stark er wirklich ist. Aber von vorn. Heilig Abend! Wir sind also ein paar Minuten früher als geplant aufgestanden – und wir wollten aufgrund der langen Strecke ohnehin früh aufstehen – damit wir noch ein weihnachtliches Telefonat nach Hause führen konnten. Unter Schmerzen hielt ich also meine Kreditkarte an das Terminal, die 10 Euro wurden abgebucht und ich tippte den Code in mein Handy. Immerhin war es für die Menschen, die wir anriefen, eine schöne Überraschung. Das Frühstück schafften wir so zwar nicht ganz, nahmen den Rest aber mit und gingen los.

Der erste Teil bestand viel aus „auf Steinen nach oben klettern“, machte aber Spaß. Der Mirador Francés war weniger spektakulär als ich dachte. Wir konnten auf einen verschneiten Fels schauen, das sah auch sehr spektakulär aus, vor allem, weil der Berg recht nah war. Auf dem Rückweg sahen wir einige Wanderer, die uns in den vergangenen Tagen schon begegnet waren, inklusive der netten kalifornischen Familie, die weiterhin an uns glaubte. Wir gingen also weiter, einen mühsamen Abschnitt bis zum Camp Paine Grande, der knapp acht Kilometer lang war. Uns fielen sofort die vielen kahlen Bäume auf, der ganze „Wald“ war voller kahler Bäume, die die Umgebung der mystisch machten. Den traurigen Grund der vielen kahlen Bäume erfuhren wir später: Ein Tourist verbrannte dort 2011 Toilettenpapier, tausende Tiere waren gestorben, der Wald hat sich bis heute (natürlich) nicht erholt.

Der Weg verlief wieder am See entlang. Vielleicht begünstigte der kahle Wald auch, dass der Wind deutlich stärker war als auf allen bisherigen Abschnitten. Wir machten eine Pause am Mirador Sköttsberg, um etwas zu essen und Nicole war gerade dabei, wieder die Hose zu wechseln, als es ihr die Mütze vom Kopf wehte. Weg war sie. Wir konnten nur noch sehen, wie sie die Klippe hinunter und Richtung Wasser segelte. Besinnlich war unsere Weihnacht also wirklich nicht. Vielmehr unternahm Nicole jeglichen Versuch, durch das Dornengestrüpp nach unten zu steigen, um die Mütze wiederzufinden. Keine Chance. Sie schickte mich voran, während sie selbst noch suchte. Eine gefühlte Ewigkeit später kam sie, sichtlich geknickt, wieder. Torres del Paine verlangte uns einiges ab, nicht nur finanziell. Klingt wahrscheinlich aber dramatischer, als es war.

Etwa in der geplanten Zeit erreichten wir Paine Grande und liefen direkt weiter Richtung Mirador Grey und Refugio Grey. Der linke Schenkel des W. Das Refugio Grey war unsere Unterkunft in dieser Nacht, das konnten wir uns nicht anders aussuchen, deshalb war die Strecke so lang. Einige Wanderer kamen uns auf dem nächsten Abschnitt schon entgegen. Wahrscheinlich hielten sie uns für komplett bescheuert, dass wir jetzt damit anfingen – denn bis zum Aussichtspunkt, dem Mirador, waren es noch über fünf Kilometer, bis zum Refugio elf. Das klingt alles erst einmal nicht so viel, im Torres-del-Paine-Nationalpark ziehen sich die Distanzen teilweise aber ewig. Besonders, wenn wie hier, Wind im Spiel ist. Wind und ein steiniger Auf- oder Abstieg (Abstieg ist mühsamer) sind wirkliche Zeitfresser. Wirklich frustrierend für mich war, dass ich teilweise gerade einmal zwei Kilometer in der Stunde schaffte. Der Wind war jetzt brutal geworden, mir schlug es meine beiden Zöpfe um die Ohren, meine Kappe hatte ich schon lang abgezogen und an den Rucksack gehängt. Mit leicht gebeugtem Oberkörper konnte man etwas stabiler gehen. Solch starken Wind hatte ich noch nie erlebt.

Frontale Ansicht auf den weit entfernten Gletscher Grey. (Foto: vku)

Wir machten uns mit Motivationskeksen (ein Wort, das wir von Julia übernommen haben) und Motivations-Zuckerschlangen Mut für die nächsten Kilometer. Die anfangs ziemlich triste Umgebung (immer noch kahle Bäume) wurde allmählich besser und wir sahen bald wieder einen See – und den Gletscher! Zwar war der Gletscher Grey weit weniger spektakulär als der Perito Moreno, den wir in der Vorwoche besucht hatten, aber es war wieder ein anderes Fleckchen Natur, das wir hier im Nationalpark sehen durften. Es lag vermutlich auch daran, dass wir den Gletscher nur aus einiger Entfernung sahen, während wir beim Perito Moreno sehr nah waren. Weil unser Mammutmarsch offenbar noch nicht genug war, gingen wir gleich weiter, als wir das Refugio Grey erreichten hatten – zum Mirador Grey. Von dort aus sah man den Gletscher noch ein wenig näher. Dann war aber auch wirklich genug mit Spazieren für diesen Tag.

Wir gingen direkt zum Abendessen, da wir für den 18-Uhr-Spot eingeteilt wurden und freuten uns über das erste Essensbüffet inklusive mehr als genug Dessert, da wir den unserer Nachbarn noch bekommen hatten. Neben Nicole saß ein sportbegeisterter Engländer mit seiner Freundin, der mir erzählte, Bayer Leverkusen sei sein Lieblingsteam in der Bundesliga. Nun ja. Wir schliefen in einem Vierbettzimmer mit zwei anderen Frauen – und obwohl wir hundemüde waren und schon kurz nach neun ins Bett gingen, wussten wir schnell, dass uns eine unruhige Nacht bevorstand. Eine der beiden anderen Frauen schnarchte nämlich sehr.

Der Eingang zum Refugio Grey mit der patagonischen Flagge. (Foto: vku)

Tag 4: Vier Tage in einer halben Stunde (12km, 400hm)

Nach einer wenig erholsamen Nacht standen wir um sechs auf, um uns fertig zu machen. Nach reichlich Betteln am Vortag bekamen wir das Frühstück um 6.30 Uhr (statt um acht!), damit wir rechtzeitig loskonnten. Der Katamaran, der uns zurück zum Parkeingang bringen sollte, fuhr um 11.20 Uhr und ich konnte weder Wind noch Strecke richtig einschätzen, deshalb wollte ich früh los. Weshalb wir uns ausgerechnet für den letzten (halben) Tag noch eine Lunchbox dazubestellt hatten, war mir rückblickend ein Rätsel und ich kämpfte sehr, alles in meinen ohnehin kleinen Rucksack zu bekommen. Gerade als wir starten wollten, kam der Engländer und fragte mich, wie die deutsche Nationalmannschaft aus ihrer Krise kommen würde. Bevor ich antworten konnte (dass die Krise längst überwunden ist), zerrte mich Nicole weg und wir gingen los.

Ein üppiges Lunchpaket: Müsliriegel, Schokoriegel, getrocknete Apfelstücke, ein Burger (in Alufolie), Nüsse und Isogetränk. (Foto: vku)

Es lief überraschend gut. Vor allem, weil der Wind weg war. Kein Wind heute! Ich war fast ein bisschen empört, dass all diejenigen, die uns entgegenkamen (darunter wieder die kalifornische Familie) nicht so sehr leiden mussten wie wir am Vortag. Gegen halb elf, ohne Essens- und nur mit einer Fotopause, erreichten wir schon unser Ziel. Gerade einmal zwölf Kilometer waren wir gelaufen, das fühlte sich fast falsch an. Als ob wir cheaten würden.

Als wir auf den Katamaran warteten, fiel mir auf, dass wir noch immer kein Netz hatten und ich offenbar das Ticket dafür nicht heruntergeladen hatte. War ja klar. Nicole hatte ich alle Tickets geschickt, meine eigenen hatte ich nicht einmal heruntergeladen. Ich malte mir schon aus, dass ich noch einmal die zehn Euro für Internet zahlen müsste, um die Fahrkarte herunterzuladen, aber der Kontrolleur konnte im System einfach meinen Namen nachschauen und ließ mich durch. Es war dann doch so einfach. Die Katamaranfahrt war fantastisch: Wir fuhren über einen türkisglitzernden See und sahen alle Berge im Panorama um uns herum, unter anderem die Torres. Die Berge, die Landschaft und der See – der Rundumblick war während der halbstündigen Katamaranfahrt wesentlich beeindruckender als in vier Tagen zu Fuß. Vermutlich einfach, weil wir weiter weg waren.

Torres del Paine vom Katamaran aus – in der Ferne sieht man die Torres. (Foto: vku)

Wir fuhren den Weg bis Pudeto, von dort aus sollte uns ein Bus nach Puerto Natales zurückbringen. In Pudeto stellte Nicole fest, dass sie ihre Kopfhörer im Refugio Grey vergessen haben musste. Und es würde wohl schwierig werden, sie wiederzubekommen: Die Hütten hier hatten untereinander kaum Kontakt, da es kaum Netz gibt. Deshalb würde es dauern, bis jemand im Refugio sie mitnehmen könne – und nach Puerto Natales bringen. Alles etwas mühsamer hier. Während Nicole noch zu einem weiteren Aussichtspunkt rannte, machte ich einen Powernap und beobachtete danach einen wunderschönen Vogel, der seelenruhig in einem Baum direkt vor mir saß. Wer weiß, was das für ein Vogel ist, kann mir gerne Bescheid sagen.

Schöne Beobachtung, während ich in Pudeto auf den Bus wartete. (Foto: vku)

Neben diesem prachtvollen Vogel sahen wir während unserer Busfahrt von Pudeto zum Parkeingang noch einige Guanakos. Zuerst dachten wir, dass es Alpakas wären, wurden aber eines besseren belehrt. Guanakos sind die in den Anden wild lebende Form der Lamas. Fotos konnten wir leider keine machen (zumindest keine, auf denen man etwas hätten erkennen können). Auch auf der Fahrt zurück nach Puerto Natales war es komplett ruhig im Bus. Fast alle schliefen – verständlich, wenn man so viele Kilometer in den Beinen hat. Kurz vor Natales kamen die ersten Nachrichten durch. Wir waren zurück in der Zivilisation.

Spoiler: Nicole bekam ihre Kopfhörer tatsächlich zurück. Wir verlängerten unseren Aufenthalt in Natales um einen Tag und sie holte sie abends bei einem Mitarbeiter des Refugios ab, der sie mitgenommen hatte. Nicole hatte sich eine neue Mütze gekauft, sogar mit einem Puma drauf! Und meine Hose wurde sogar wieder sauber, nachdem wir sie in die Lavanderia gegeben hatten.


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