Seit zwei Tagen sind wir auf der Ilha Grande, einer autofreien Insel, die hauptsächlich von Wald bedeckt ist, um die hundert Strände hat und ein Party- und Ausflugsziel der Brasilianer*innen. Nach einer merkwürdigen Bootstour gestern, waren wir heute durch den Dschungel wandern.
Auf Inseln läuft alles ein bisschen anders – aber es läuft. Immerhin. Nach einer abenteuerlichen, fast vierstündigen Fahrt in einem viel zu engen Bus mit einem Busfahrer, der die komplette Fahrt über Whatsapp-Sprachnachrichten verschickt hat, sind wir beim Bootsanleger angekommen. Von dort aus ging es mit einem Schnellboot zur Insel. Leider war das Boot mit Menschen, Taschen und Koffern voll gepackt – und dann hat es auch noch angefangen zu regnen. Pitschnass kamen wir auf der nebligen Insel an. Super Start.
Und ich muss sagen, es bleibt seltsam auf der Insel. Das Wetter besserte sich, also machten wir gestern einen Bootsausflug, der uns zu mehreren Stränden und Buchten und zur Gruta do Acaia, einer Höhle im Meer, bringen sollte. Leider war unserem Guide auf dem Boot aber so ziemlich alles egal, was ihm egal sein konnte. An der Grotte angekommen, war von ihm keine Spur mehr, also stiegen wir hinab. Es war ein dunkler, ziemlich windiger Schacht, von dem aus ich mich nur noch im Liegen seitwärts weiterbewegen konnte, weil es so eng war. Auf halber Strecke hielt mich ein Aufpasser mit einer (nicht funktionierenden Lampe in der Hand) auf und fragte mich, wo unser Guide sei. Ich tippte in seine Übersetzungs-App, dass ich keine Ahnung hatte. Nachdem ein paar Leute sich Richtung Ausgang robbten, konnte ich in die andere Richtung weiterkrabbeln. Es war unglaublich eng. Mit Klaustrophobie soll man da wohl eher nicht rein. Von weiter weg schwappte das Wasser in die Höhle und leuchtete dabei grün. Wir zwängten uns zu dritt in eine halbwegs normal aussehende Pose für ein gemeinsames Foto (wir sehen darauf aus wie Leichen), danach musste ich dort wieder raus. Einige Schürfwunden und Kopfkontakte mit den Steinen später stieg ich wieder heraus. Puh.
Eine Stunde später, in der die komplette Gruppe auf den Guide wartete, erzählte der uns, der Plan sei gewesen, mit einer anderen Gruppe zusammen in die Höhle zu gehen. Seltsam, dass er uns von diesem Plan erst hinterher erzählte. Schön waren die Schnorchelstopps. Lustigerweise mussten wir uns vor der Tour die Schnorchel aktiv erfragen, sonst hätten wir keine bekommen. Allerdings frage ich mich, welchen Sinn dieser Bootausflug ohne Schnorchel gehabt hätte. Manche Brasilianer*innen sind einfach ein bisschen zu gechillt. Launisch blieb es, weil drei Brasilianer mit an Bord waren, die einen Wochenendtrip zur Ilha Grande machten und eine große Kühltasche voller Alkohol dabei hatten. Hätte ich gewusst, welch ein Trip mich erwartet, hätte ich das Bier wohl nicht abgelehnt.
Generell ist das Essen auf der Insel recht teuer, weshalb wir zweimal in Folge gekocht haben. Eines der Gerichte, die es in fast jedem Lokal gibt, ist Camarão no Abacaxi, also Shrimps in einer Ananas. Wir probierten am ersten Abend und es war überraschend gut. Zum gegrillten Fisch gab es gebratene Bananen, auch sehr gut. Was auch gut ist: Caipirinha ist überraschend günstig. So günstig, dass die Mädels jeden Abend ein bis zwei Caipirinha trinken wollen. Wir haben auch mehrere verschiedene Früchte getestet (Maracuja, Ananas, Erdbeer-Kiwi und Mango), aber der „normale“ ist für uns der beste. Ah, und Spaten-Bier gibt es hier überall zu kaufen. Fragt mich nicht warum. Es steht sogar auf deutsch auf der Dose: „Nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut“. Na dann.
Heute haben wir die Wanderung von unserem Ort, Abraão (der Hauptort der Insel), zum Strand Lopes Mendes gemacht. Sie ging etwa zweieinhalb Stunden, fast durchgehend durch den Wald, auf die Südseite der Insel zu einem der schönsten Strände der Ilha Grande. Die Wanderung zog sich zwar (über 7km und 330 Höhenmeter einfach), aber wir haben wieder kleine Äffchen gesehen, bunte Vögel, riesige Ameisen, weiße Krebse mit riesigen Augen, dazu viele Palmen, Lianen, Pflanzen mit langen, schwarzen Stacheln. Ich würde euch gern mehr zu Flora und Fauna sagen, aber ich muss euch enttäuschen – ich kenne mich einfach nicht aus. Der Strand Lopes Mendes ist ein über zwei Kilometer langer, fast weißer Sandstrand mit vielen Bäumen, die Schatten spenden, ein paar Felsen im Meer. Das Wasser ist kühl (wie der Atlantik eben so ist) und es gab einige Wellen. Deshalb ist der Strand auch so beliebt unter Surfern. Für uns war es nach der Wanderung echt erfrischend – allerdings mussten wir dieselbe Strecke wieder zurück.

Die meisten Einheimischen fahren übrigens mit dem Schnellboot zum Strand. Wanderer haben wir echt wenige gesehen. Einige Leute waren in Flip-Flops unterwegs und wateten damit durch den Matsch, der sich nach dem Regen der vergangenen Tage gebildet hatte. Nach der Wanderung haben wir erstmal einen Caipirinha am Strand getrunken. Auf der Insel sind die Prioritäten eben andere. Und weil wir schon seit einigen Minuten Stromausfall haben, lade ich die anderen Bilder morgen hoch (hiermit geschehen). Inselleben halt.

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