Von Bobo bis Botafogo

Die Stufen hinauf ins Viertel Santa Teresa: die Escadaria Selarón.

Wer durch Rio läuft, braucht eine gute Kondition – vielleicht ein Grund, weshalb alle ein Uber nehmen. Das Essen ist superlecker, aber Achtung, wie viel Geld man gibt. Und während unserer Zeit hier in Rio hat sogar ein Klub aus der Stadt die Copa Libertadores gewonnen. Was mir in Rio bislang so aufgefallen ist.

Owei, jetzt bin ich schon fast seit einer Woche in Rio de Janeiro – und alles, was ich in den Blog bislang über die Stadt geschrieben habe, ist, dass sie kriminell ist und viele arme Menschen in ihr leben. Das muss sich ändern: Hier, wie bei Mexiko City, ein paar Beobachtungen, die ich in Rio gemacht habe.

Manchmal gibt es kein Wasser. Es war eine der ersten Infos, die uns die Hostel-Besitzerin nach unserer Ankunft gesagt hat: Seit ein paar Tagen herrscht Wasserknappheit. Seit die Wasserversorgung privatisiert worden sei, passiere das manchmal. Sie hat zwar Wasser in einem 2000-Liter-Tank auf Vorrat, aber wir sollen vielleicht zuerst nicht duschen. Na toll. Es hat über dreißig Grad, wir schwitzen uns zu Tode – wie sollen wir da bitte nicht duschen?! Wir haben es trotzdem getan, am nächsten Tag gab es aber zum Glück wieder Wasser.

Hier könnt ihr Höhenmeter sammeln. Wer für einen Berglauf angemeldet ist, kann hier wirklich vorzüglich trainieren. Es geht auf und ab, besonders, wenn man (äußerst hübschen) Viertel Santa Teresa wohnt, so wie wir. Die berühmten Escadaria Selarón sind das bekannteste Beispiel. Eine mit bunten Kacheln aus allen Ländern der Welt verzierte Treppe, die vom Zentrum zu uns nach oben führt. Sprich: Wir laufen sie jeden Tag. Wir schwitzen jeden Tag – natürlich wegen der Hitze, aber auch wegen der Stufen. Und: Wer hier in Rio Auto fahren lernt, ist abgehärtet.

Botafogo gewinnt den Pokal. Wer hätte das gedacht?! Als wir am Samstag zum Abendessen losgelaufen sind, haben viele Menschen auf Fernsehern Fußball geschaut. Normaler Samstag, dachte ich mir. In Brasilien sind sie eben ein bisschen verrückter als bei uns. Nachdem wir dann sehr laute Jubelrufe hörten, bekam ich die Kicker-Eilmeldung, dass Botafogo, ein Klub aus Rio de Janeiro, zum ersten Mal die Copa Libertadores gewonnen hat (3:1 gegen Atletico Mineiro). Wie cool ist das denn?! Am Sonntagnachmittag fand die Parade im Stadtteil Botafogo statt – als wir zur Copacobana wollten. Tausende Botafogo-Fans brachten die U-Bahn zum Wackeln. Julia verglich es mit jubelnden Bayern-Fans in der Münchner U-Bahn. Ich glaube, sie waren lauter und emotionaler. Wäre auch seltsam, wenn nicht, oder?

Der Strand von Ipanema bei Sonnenuntergang. (Foto: vku)

Kein Schmuck, aber bunte Klamotten. Am ersten Tag, als wir zusammen mit einigen Leuten auf den Start der Free Walking Tour warteten, sagte eine Brasilianerin zu uns, wir sollen unseren Schmuck ausziehen. Sie meinte damit Julias goldene Halskette. Sie sei einfach zu packen für Diebe. Sie habe selbst ihren Ehering daheim gelassen, meinte die Frau. Okay, kein Schmuck. Dafür lieben die Brasilianer*innen aber bunte Klamotten. So viele schöne Kleidungsstücke habe ich noch nie gesehen! Blumenmuster, Ornamente, Farben! Die Carioca, so der Name der Einheimischen Rios, lieben farbenfrohe Klamotten. Ich versuche selbstverständlich auch noch etwas zu ergattern. Und Schmuck sahen wir natürlich trotzdem. Manche haben echt große Ohrringe an, ich glaube aber, es ist oft recht preiswerter Modeschmuck.

Affen sind doch nichts Besonderes?! Als wir am zweiten Tag die schon bekannten Stufen in die Stadt hinuntergingen, hielt Julia kurz inne: Sie hatte ein kleines Äffchen gesehen, das über die Stromleitung vor uns hüpfte. Bevor wir die Kamera zücken konnten, war es schon weg. Als wir heute den Wanderweg zum Pedra de Gavea liefen, war ich es, die die anderen zurückhielt, als ein Äffchen vor uns über die Steine huschte, in den nächsten Baum sprang und sich entlang hangelte. Noch ein zweites dazu! Ein Brasilianer kam schnellen Schrittes von hinten – und wunderte sich. Warum stehen wir hier? Als wir ihm die Affen im Baum zeigten, schaute er noch verwirrter drein. Wir erklärten: In Deutschland gibt es keine Affen! Er hat es nicht verstanden und uns stattdessen gefragt, ob wir Rio schön finden. Klar, auch wegen der Tiere!

Bobo de Camarão, Service und ein Gedeck. Eine wirklich vorzügliche Garnelensuppe ist das, die in meinem Fall aber eher einem Auflauf glich. Wie in Portugal gibt es Pommes und Reis als Beilage dazu (klar, warum nur eine sättigende Beilage), gegrillten Fisch würde ich aber noch mehr empfehlen. Der pure Geschmack ohne Sahne ist dann noch ein wenig besser. Generell finde ich die brasilianische Küche wirklich gut bisher. Es gibt viel Fisch, viele Meeresfrüchte (vor allem Garnelen), aber leider auch viel Fleisch. Heute haben wir Feijoada gegessen, ein sehr typischer Bohneneintopf, in dem leider auch sehr viel Fleisch ist. Naja, es war wenigstens gut. Was weniger gut ist: Eine Servicegebühr und manchmal sogar noch ein Gedeck sind in der Endrechnung schon enthalten. Wie wir mit Trinkgeld umgehen, wissen wir deshalb noch nicht richtig. Mal haben wir noch welches gegeben, mal nicht. Wer weiß, wie es richtig geht, melde sich gern;) Umso besser ist dafür der Caipirinha am Straßenrand. Es klingt vermutlich ein bisschen nach Klischee, aber der Caipirinha vom Straßenwagen war frisch gemacht, lecker und ein Drittel so teuer wie jener im Restaurant. Und Kopfweh haben wir glücklicherweise auch keines bekommen.


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