Endlich sind wir in Rio. Und endlich sind wir zu dritt. Seit Donnerstag sind wir in Rio de Janeiro, an dem Ort, zu dem ich am meisten wollte während dieser Reise. Am ersten Tag war ich zwiegespalten, fast erschrocken von dieser Stadt. Je länger ich hier bin, desto mehr liebe ich sie. Und desto mehr weiß ich, weshalb ich hier sein will. Ein paar erste Eindrücke
Mehr als drei Tage sind wir nun schon hier in Rio und ich kam noch nicht dazu, einen Blogbeitrag zu schreiben. In der Zwischenzeit habe ich interessierten Menschen Fotos geschickt und die Rückmeldung bekommen: ‚Es ist ja wie 2014!‘. Und ich bekomme tatsächlich Fotos von Rio de Janeiro während der Weltmeisterschaft 2014. Fußball ist einfach sehr präsent. Sowohl hier als auch bei den Menschen, die an Rio denken.
Und doch muss es jetzt ganz anders sein als damals, als während der Weltmeisterschaft nur schöne Fotos von der Stadt, vom Zuckerhut, von der Christusstatue um die Welt gingen. Hier leben viele arme Menschen. So viele arme Menschen, dass es wehtut, das anzusehen. Das war damals anders: Damals hat man die vielen armen Menschen auf den Straßen nicht gesehen. Damals war Rio die schöne Metropole, die sich als Hauptstadt des Fußballs präsentierte.
Als wir am Donnerstagnachmittag ankamen, machten wir als erstes eine Free Walking Tour durch das Stadtzentrum. Ich war erschrocken, noch bevor die Tour losging. Auf dem Weg zu dem Treffpunkt, vorbei an den Escaleria Selaron, sprechen uns viele Menschen an, die uns Mentos-Kaugummis verkaufen wollen, darunter auch Kinder. Am Straßenrand liegen Menschen, halbnackt, teilweise unter einem Baum, manche liegen auch einfach auf dem heißen Asphalt. Ihre Klamotten sind dreckig, wenn sie denn überhaupt welche anhaben. Dieses Bild sehen wir leider echt oft, seit wir hier sind. Ein Mann ist uns hinterhergelaufen, weil er wollte, dass wir ihm einen Kaffee bezahlen. Ich hätte es gern getan, auch wenn ich weiß, dass es nicht gut ist.
Über die Bolsonaro-Regierung wird viel geschimpft, über Lula aber auch. Das Geld wird entwertet, sagen die Menschen. Viele sind echt arm. Und zwar wirklich next level arm im Vergleich zu Mexiko City. Es ist absurd, weil so viele Touristen in dieser Stadt sind und die Stadt auch so reich an Naturschätzen ist. Generell ist es eine Stadt, in der es sich sehr gut leben lässt, denkt man sich all die Kriminalität weg.

Abseits all der Armut und Kriminalität, von der wir bislang wiederum kaum etwas sehen oder spüren, ist Rio eine wahnsinnig schöne Stadt. Sie verbindet Großstadt mit Bergen und Meer. Welche Stadt kann das schon von sich behaupten? Als wir heute zum Pao de Açucar gewandert sind, sind wir durch einen Urwald gelaufen, haben kleine Äffchen gesehen und wurden vor Schlangen gewarnt. Jackfruits hingen an den Bäumen und hätte ich nicht gewusst, wo ich bin, hätte ich wohl gedacht, ich bin mitten im Dschungel. Zwei Stunden später saßen wir nach der Wanderung mit Caipirinha am Strand. Es ist faszinierend.
Die Vielfalt dieser Stadt, gepaart mit der Lockerheit der Menschen ist das, was mich fasziniert an Rio und weshalb ich hierher wollte. Als wir Samstagabend hier in Santa Teresa essen waren, war das Viertel lebendig, viele Menschen in schönen Klamotten auf der Stadt, vor den Kneipen und Bars und auf dem Weg zu Sambaparties. Beinahe wären wir auch auf einer gelandet. Und wir haben Straßenmusiker spielen hören, und Menschen dazu tanzen. So habe ich mir Rio vorgestellt. Es ist nicht wie 2014, nicht so schön und nicht so friedlich wie ich Rio aus Erzählungen von damals kenne und wie ich die Stadt durch das Fernsehen kennengelernt habe. Aber es ist gut und ich bin gern hier.
In meinem nächsten Beitrag schreibe ich dann hoffentlich endlich, wie es hier wirklich so ist und wie die Brasilianer*innen so ticken.
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