In Teotihuacan stehen gleich mehrere Pyramiden, aufgereiht an der „Todesstraße“. Zumindest die Hitze dort ist wirklich tödlich. Die Pyramide in Cholula hingegen ist lustig. Sie sieht gar nicht aus wie eine Pyramide. Die Ruinen von Monte Albán zeigen den Dorfcharakter.
Mein Learning aus den vergangenen Tagen: Schreib den Text sofort, wenn du ihn schreiben möchtest. Nicht immer ganz einfach, vor allem nach langen Tagen, an denen ich einfach nur ins Bett möchte (meistens schon vor elf Uhr abends). Schiebe ich das Blogschreiben aber auf, geht es mir wie jetzt: Ich muss mir (etwas mühsam) zusammensuchen, was ich nochmal schreiben wollte.
Klar ist: Ich wollte euch etwas zu den vielen Pyramiden hier in Mexiko schreiben. Sie sind wirklich erstaunlich, bewundernswert und haben mir eine Welt aufgetan, von der ich vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Wusstet ihr, dass in Mexiko die größte Pyramide der Welt steht? Aber von vorn.
Teotihuacan: Die Ruinenstätte mit diesem unaussprechlichen Namen (Grüße an Max, der denkt, ich hätte mir auch schon Oaxaca ausgedacht) liegt etwa eine Busstunde nördlich von Mexiko-City und ist echt die Metropole unter den Ruinen Mexikos. Über hunderttausend Menschen haben auf dem Gelände rund um Teotihuacan offenbar mal gelebt. Es gibt gleich drei große Pyramiden, zwei Museen und man kann stundenlang von Steinhaufen zu Steinhaufen laufen. (Auch wenn es wahnsinnig heiß aussieht: Als wir dort waren, habe ich mich geärgert, dass ich nicht wärmer angezogen war. Der Wind war fürchterlich kalt am Morgen. Am Nachmittag hat die Hitze dann wahnsinnig geknallt.)
Die Pyramiden von Teotihuacan wurden genutzt, um die Götter zu verehren. Leider kann ich nicht sagen, welche Götter. Es fand aber wohl viel Leben rund um die Pyramiden statt. Die Menschen nutzten die Plätze rundherum für Tänze, Musik, Reden.
Die bekannteste Pyramide in Teotihuacan ist die Sonnenpyramide. Sie ist die drittgrößte Pyramide der Welt. Laut unseres Guides ist sie etwa 600 Jahre v. Chr. gebaut worden und besteht vor allem aus Lehm und Basalt. Einige Teile wurden mit roter Farbe angestrichen, die man zum Teil auch heute noch sieht, und mit Tieren verziert. Zum Beispiel mit Schlangen oder Jaguars, von denen es damals viele dort gegeben haben soll. Bis vor kurzem konnte man auf die Pyramide steigen, sie ist gut erklimmbar, da sie überall Stufen hat. Als wir dort waren, durfte man die Pyramide aber nicht betreten. Es gibt ein Tunnelsystem unter der Sonnenpyramide, das aber nicht begehbar ist. Ich müsste noch einmal nachschauen, weshalb es die Tunnel gab. Je nach Guide und je nach Stätte waren die Infos anders.

Die Mondpyramide ist etwas kleiner als die Sonnenpyramide. Sie steht ebenfalls der Calle de los Muertos, der Todesstraße. Entlang dieser Allee war eine Reihe weiterer Pyramiden erbaut worden, auf deren höchstem Plateau meist Häuser bzw. Hütten standen. Viele kleine Pyramiden waren also nur ein Podest. Es ist wahnsinnig erstaunlich, wie fortschrittlich die Menschen damals waren. Es gab ein Kanalisationssystem an Rohren, um das Regen- und Dreckwasser abfließen zu lassen. Die Pyramiden hatten eine bestimmte Schräge, damit auch hier das Wasser gut abfließt und angeblich (laut Guide) wurde das Areal in Teotihuacan so erbaut, dass die Akustik von jedem Punkt aus gut war. Man konnte also die Leute, die Reden hielten, von überall aus gut verstehen.

Alright. Das waren noch nicht alle Pyramiden Mexikos. Jetzt kommt die verrückteste von allen: die Pyramide von Cholula. Ihr seht sie auch auf dem Beitragsbild. Und wenn ihr euch fragt: Wo ist die Pyramide? Das haben wir uns auch gefragt. Julia und ich sind in Cholula angekommen und sind den vielen Leuten hinterher nach oben gelaufen. Zur Kirche. Oben haben wir uns gefragt, wo denn jetzt die Pyramide sein soll. Schnell habe ich aber begriffen, dass das hier die Spitze der Pyramide sein muss. Einen höheren Punkt als diesen hier gab es nämlich weit und breit nicht.

Die Pyramide von Cholula ist lustig. Je nachdem, von welcher Seite man sich ihr nähert, denkt man nicht einmal, das sei eine Pyramide. Wir sind einen anderen Weg nach unten gelaufen und sind direkt zum Eingang der Ruine gekommen. Einige Teile der Pyramide an der Westseite sind freigelegt. Die Konstruktion ist ähnlich zu den Pyramiden in Teotihuacan, allerdings muss die Pyramide in Cholula größer gewesen sein. Ein großer Teil des Bauwerks liegt noch unter der Erde und die oberste Ebene, auf der jetzt die Kirche steht, war damals offenbar noch nicht die höchste Ebene. Die Grundfläche sind 450 auf 450 Metern, das Volumen sind 4,45 Millionen Kubikmeter. Ziemlich schwer vorstellbar. Die Kirche wurde übrigens erst im 16. Jahrhundert auf die oberste Plattform gebaut. Die Mexikaner haben früher überall hin Kirchen gebaut. Auch das ist schwer vorstellbar für mich.
Am besten vorstellbar für mich war hingegen die prähispanische Stadt, die am heutigen Ort Monte Albán errichtet war. Die Bergkette liegt bei Oaxaca, hier war früher die Hauptstadt der Zapoteken errichtet. Generell sehr spannend, wo Zapoteken, Mizteken, Azteken und Mayas lebten. Aber das wäre vermutlich ein komplett eigener Blog.

Wie auch bei den anderen Pyramiden entstand Monte Albán offenbar als religiöses Zentrum. Es gab hier schon mehrere Jahrhunderte vor Christi Menschen, die meisten Menschen sollen aber von 300 bis 900 n. Chr. hier gelebt haben. Monte Albán soll damals vor allem ein Handelszentrum gewesen sein. Es gibt viele Funde von damals, Tontöpfe, Schmuck, aber auch Skelette. Zum Beispiel in den bekannten Gräbern Nr. 7 und 104. Von letzterem gibt es im American Museum of Natural History in New York City eine exakte Nachbildung. Hier hat man mehrere noch sehr gut erhaltene Skelette und Urnen gefunden.
Das gesamte Gelände besteht aus vielen Pyramiden und Vertiefungen. An einer Stelle sollen Ballspiele stattgefunden haben, die damals aber nicht dem Vergnügen dienten, sondern ein Ritual gewesen sein sollen. Ging um Leben und Tod, haben Wissenschaftler herausgefunden. An anderer Stelle wurden viele große Steine mit Reliefs darauf gefunden, die Menschen in verkrümmten Haltungen zeigten. Früher dachte man an tanzende Menschen, inzwischen – so hat es unser Guide erklärt – ist man sich sicher, dass hier verstümmelte Menschen und Menschen mit Gendefekten dargestellt waren, ebenso Frauen mit Totgeburten und Genitalverstümmelungen. Also eine Art medizinische Forschung der Zapoteken. Verrückt, oder?
Unser Guide meinte noch am Schluss „Everything here has a meaning“. Bei jedem Gebäude habe es einen Grund gehabt, warum es an dieser Stelle steht, woraus und wofür es gemacht wird. Bei der Recherche für diesen Text hier habe ich eben eine Doku gefunden, in der zum Beispiel erklärt wird, weshalb an genau zwei Tagen im Jahr das Licht genau senkrecht in die Pyramide fällt (hier habe ich sie verlinkt, falls es jemanden interessiert).
Gern würde ich mehr und ausführlicher erzählen, aber ich weiß trotz vieler Notizen, die ich mir während der Führungen gemacht habe, selbst nur noch sehr wenig. Ich kann jedoch empfehlen, mal ein bisschen über die prähispanische Geschichte in Mesoamerika zu lesen oder zu schauen. Spannend vor allem auch zu wissen, wie Menschen auf einem anderen Kontinent schon vor so langer Zeit gelebt haben.
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