Baby-Äffchen und Sushi-Show

Dieser gar nicht geplante zusätzliche Tag in Takayama wurde zu unserem schönsten der Reise. Wir haben japanische Schneeaffen gesehen und waren Teil einer beeindruckenden Sushi-Show.

Okay, es kam echt anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Aber der Tag heute ist der Beweis, dass spontane Ausflüge die besten sein können. Da es uns so gut in Takayama gefallen hat, wollten wir gern noch eine Nacht dranhängen, noch einmal ins Onsen gehen und über den Markt schlendern. Leider war aber Regenwetter angesagt. Wir blieben trotzdem (eine Weiterfahrt nach Kyoto hätte ebenso wenig Sinn ergeben) und beschlossen, eine Wanderungen Kamikochi zu machen. Vielleicht halten die Bäume ja ein bisschen den Regen ab?

Nein, tun sie nicht. Und vor allem halten sie uns nicht von den vielen riesigen Pfützen fern, die durch den Regen erst entstehen. Ganze Bäche versperrten uns teilweise den Weg. Wir nahmen Schirme aus dem Hotel mit und fragten an der Rezeption in Kamikochi nach dem besten Weg nach. Auf keinen Fall in die Berge sollten wir gehen, zu gefährlich. Stattdessen empfahl sie uns einen Rundwanderweg mit Einkehrmöglichkeit entlang eines Flusses. Auch nett – aber vielleicht auch gefährlich? Gleich am Anfang des Weges ein Schild: „Black bear observed“ und dazu das Datum von vorgestern. Bären und Menschen können sich also nicht nur in der Alpenregion begegnen. Spoiler: Wir haben keinen gesehen.

Der Weg war aber auch (oder vielleicht gerade deshalb) sehr schön, die Luft klar, der Regen ein bisschen nervig, vor allem, wenn er stärker wurde. Bei der Hälfte der Strecke kehrten wir in ein Café/Restaurant ein, in dem die frischen Fische aus den Gewässern der japanischen Alpen (so nannten sie das Gebiet dort) direkt in einer Feuerstelle grillten. Ein bisschen wie Steckerlfisch in München im Biergarten (nur ist die deutsche Variante etwa dreimal so groß). Wir bestellten je einen und bekamen aber ein Menü mit Reis, Suppe und Mixed Pickles, also in Essig eingelegtem Gemüse. Die Japaner*innen fahren da voll drauf ab, meins ist es leider gar nicht. Und Reis kann ich auch schon nicht mehr sehen. Naja, hätten wir mal gleich misstrauisch sein müssen, als er vom „Set“ sprach. Der Fisch erinnerte an gegrillte Sardinen, war ein bisschen trocken, nicht ausgenommen, aber sehr lecker. Den Rest aß ich nicht auf (shame on me).

Nicht nur in diesem Nationalpark kündigten Schilder die Affen am Wegesrand und auf dem Weg an, bisher hatten wir aber noch keine gesehen – bis dahin! Denn auf dem Rückweg standen sie plötzlich vor uns! Auf einem Holzsteg kam eine Familie auf uns zu. Wir dachten zuerst, sie würden zu uns kommen, uns vielleicht sogar angreifen, aber weit gefehlt. Sie interessierten sich gar nicht für uns. Ich ging voran und versuchte, sie auch so wenig wie möglich zu beachten. Ein paar schauten mich skeptisch an, die Babys versuchten sie alle vor uns zu verstecken, aber eigentlich waren wir ihnen ziemlich egal. Zum Glück! Wir gingen weiter und immer mehr Affen kreuzten den Weg, kamen aus den Büschen, liefen an uns vorbei. Es waren Makaken mit einem auffälligen, roten Gesicht. Schneeaffen oder Japanmakaken werden sie auch genannt (ja, ich musste das auch googeln). Ich war total geflasht!

Am Nachmittag liefen wir noch zur Burg Takayamas. Fun Fact: Auf der Plattform auf dem Berg ist nichts als eine Wiese. Die Burg gibt es nicht mehr, auch Ruinen kaum mehr. Eine Tafel mit einer Skizze steht dort, dazu vier schmale Betonstützen. Da es zu regnen begann, wollten wir schnell wieder zurück und nur noch schnell etwas Kleines essen in Takayama. Sushi vielleicht? Das hatten wir noch nicht!

Nachdem es gar nicht so einfach war, einen Sushi-Laden zu finden, fragte Nicole zwei Einheimische, ob sie ein gutes Sushi-Restaurant empfehlen können, das offen hat. Wieder einmal war der Japaner total nett, rief im Restaurant an und wollte sogar mit uns hinlaufen. Wir ließen uns den Weg erklären und kamen zu einem sehr hippen Viertel, es war mehr ein großer Hinterhof, mit vielen, dicht aneinander gedrängten Restaurants und Kneipen. Alle hatten eine Karte draußen und einen Vorhang, durch den man reingehen konnte.

Unser Sushi-Laden war sehr klein und bestand nur aus einer Theke, an der acht Menschen Platz fanden. Sie war u-förmig aufgebaut, in der Mitte stand der Koch, der uns an unsere Plätze bat. Er verstand wenig englisch, wir unterhielten uns über den mies übersetzenden Google Translator und erklärten ihm, dass wir gern das Basis-Menü nur mit Fisch haben wollten. Da legte er los!

Unter der Theke waren mehrere Kühlschränke und unzählige Boxen. Zwei große mit vielem verschiedenen frischen Fisch. Auch wenn ich wirklich nur noch wenig Fisch essen möchte, das sah sehr beeindruckend aus. Er holte verschiedene Stücke heraus, schnitt mit seinem großen Messer filigran mehrere Filets heraus und bereitete das Sushi für uns zu: Immer nur ein Stück nach dem anderen, wir mussten erst essen, dann fing er mit dem nächsten an. Wie detailliert er dabei vorging! Mehrere dünne Ritze in den Fisch, die perfekte Menge Reis klebte er daran, drehte das Fisch-Reis-Stück mehrmals, verfeinerte mit einem Klecks Wasabi und tupfte ein bisschen Kaviar obendrauf. Wahnsinn!

Bei jedem Stück nahm er anderen Fisch, einmal flambierte er (das fand ich am besten!), einmal wickelte er den Reis in eine Garnele. Mal kam Soja-Sauce, mal Kaviar, mal ein wenig Ingwer obendrauf. Es war wie eine Kochshow, das Zuschauen machte fast noch mehr Spaß als das Essen! Dazu gab es eine Fischsuppe, die aussah wie Pudding mit ein bisschen Fisch und einer Garnele darin – war aber wirklich lecker. Zum Abschluss ein Stück Ei, zumindest sieht es aus wie ein fester Omelett-Würfel (ich checke nochmal, was das ist und reiche nach).

Habe nun einen anderen Maßstab für Sushi. Klar. Ach und: Der Onsen war heute auch viel besser zu ertragen als gestern. War er wirklich kälter? Oder war ich noch so abgelenkt vom Sushi?


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