Betende Stroh-Hände

Die alten Strohdächer der Häuser im Gassho-Zukuri-Stil in Shirakawa.

In Shirakawago haben wir die alten, traditionellen Häuser mit ihren Strohdächern besucht. Später habe ich festgestellt: Onsen sind zu heiß zum Entspannen!

Okay, ich überspringe mal eben kurz zwei Tage und mache mit heute, Donnerstag, weiter. Dienstag waren wir im Touri-Örtchen Hakone, gestern im Nationalpark in Nikko. Ich schreibe zu einem späteren Zeitpunkt noch darüber, wenn ich mal alle Infos zusammengesammelt habe.

Heute haben wir knapp acht Stunden Zug- und Busfahrt hinter uns, so lang wie noch nicht, seit wir hier sind. Von Nikko mussten wir zweimal umsteigen, bis wir in Kanazawa waren. Von dort aus fuhren wir nochmal anderthalb Stunden bis Shirakawa. Die Busse hier sind zuverlässig und bringen einen fast überall hin, aber die Gepflogenheit verstehen wir noch nicht ganz: In manchen Bussen braucht man eine Reservierung, in anderen nicht. Generell ist stehen keine Option. Manchmal zahlt man im Bus, manchmal braucht man vorher ein Ticket. Verwirrend. Naja.

Shirakawa ist einer von drei Orten im mittleren Norden (sagt man das so?) Japans, in dem besonders viele traditionelle Häuser erhalten sind. Die Strohdächer sind in einem 60-Grad-Winkel gebaut, Gassho-zukuri heißt der Stil. Übersetzt heißt das so viel wie „betende Hände“. Mir erschließt sich nicht komplett, warum es so heißt. Vielleicht wollten sie damit ausdrücken, welche beschützende Wirkung die Häuser haben. Nun ja. Die Dächer sind deshalb so steil, damit der Schnee runterfällt und das Haus nicht von der Schneelast erdrückt wird und einstürzt. In den nordischen Ländern machen sie es übrigens genauso.

Die Sanierung der Strohdächer ist teuer und arbeitsintensiv, habe ich gelesen. Hier haben wir aber Bauarbeiter an einem Dach gesehen, die das relativ fix hinbekommen und ein Strohbündel nach dem anderen auf das Dach geworfen haben. Die japanische Regierung subventioniert das Renovieren der Dächer übrigens.

In Shirakawa hat vielleicht die Hälfte der Häuser ein altes Strohdach. Man sieht ziemlich genau, welches Dach neu und welches mal wieder neu gemacht werden müsste. Es ist sehr idyllisch und ruhig dort, nur die Touristen machen von allen Häusern und ihren Vorgärten Fotos, inklusive der nassen Wäsche, die im Hof hängt. Wie das wohl für die Bewohner*innen ist, die in einem Freilichtmuseum leben?

In den akkurat gepflegten Feldern zwischen den Häusern bauen die Menschen dort Reis an, viele Kaulquappen schwimmen im Wasser, mit dem die Pflänzchen getränkt werden. Zwischen Weg und Feld gehen Bachläufe, in denen Fische schwimmen. Auch viele Koi-Karpfen sind dabei. Die anderen Fische konnten wir nicht zuordnen, ich würde sagen, es waren große Forellen. Alle waren aber sehr langsam unterwegs. Kein Wunder: Die Sonne knallte auf uns hinab, auch ich wollte mich kaum bewegen.

Immer wieder zwischendurch gab es kleine Kioske, Restaurants und Souvenirshops. Sie wissen ihr hübsches Dörfchen schon gut zu vermarkten. Auf der anderen Seite des Flusses hielten die Reisebusse in Reih und Glied, die Besuchergruppen strömten hinaus. Nach zwei Stunden fuhren wir weiter nach Takayama.

Takayama ist ebenfalls ein sehr alter, traditioneller Ort mit vielen traditionellen Häusern aus dunklem Holz. Bachläufe trennten Haus und Straße, diesmal so schmal, dass es mich an Freiburg erinnerte. Wir probierten Sake, japanischen Reiswein, in einem Laden, die meisten Sorten schmeckten aber nicht wirklich gut. Schon gegen sieben Uhr am Abend wirkte Takayama wie ausgestorben. Nur ein paar Fotos machende Touris verirrten sich in die Gegend. Und schrille Musik kam aus allen Lautsprechern der Straßen. Seltsamer Vibe.

Am Abend gingen wir zum ersten Mal in ein japanisches Onsen! Unser Hotel hier hatte eines. Ein Onsen ist ein Thermalbad oder eine heiße Quelle, in die man sich zur Entspannung setzt. Normalerweise sind sie im Freien. Menschen, die tätowiert sind, dürfen in Japan viele öffentliche Onsen nicht betreten. Im Hotel-Onsen hat das zum Glück niemanden gestört.

Wir haben also unseren Pyjama aus dem Hotelzimmer und die Badelatschen angezogen und sind hingelaufen. In Onsen sind Männer- und Frauenbecken getrennt. Zuerst duscht man sich ab, es gibt es sogar einen Hocker in der Kabine zum Hinsetzen. Jeder ist nackt im Badebereich. Es gibt ein Innen- und ein Außenbecken. Das äußere war total schön beleuchtet und man konnte hinunter auf den reißenden Fluss schauen. Das Wasser aber war richtig heiß! Ich konnte kaum hineingehen!

Nicole fand es genau angenehm, ich aber kam nicht weiter als bis zur Brust. Das heiße Wasser brannte mir auf der Haut und entspannend fand ich es auch erst hinterher. Bestimmt ist es gut für Körper und Geist, für die Muskeln und die Haut. Aber solch heißes Wasser war ich einfach nicht gewöhnt! Nach wenigen Minuten musste ich wieder raus, was total schade war, weil wir uns gerade sehr nett mit einer Japanerin unterhielten.

Man duscht sich wieder ab, trocknet sich ab und zieht den Pyjama wieder an. Vielleicht brauchte ich einfach mehr Übung darin… Achso: Die genaue Wassertemperatur wissen wir nicht. Nicoles Uhr sagte, 41 Grad. Ich habe im Internet von Onsen-typischen 62 bis 69 Grad gelesen. Ich vermute, die genaue Temperatur liegt irgendwo in der Mitte…


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