Der Fuji ruft!

Hinauf zu Mount Fuji, hinauf auf über 3700 Meter: In der Nebensaison wollen die Japaner*innen einem dieses Erlebnis nicht gönnen. Wir sind trotzdem hoch – und wurden mit atemberaubender Aussicht belohnt.

Okay, ich muss wirklich verrückt sein. Habe drei Wochen, um Japan auf mich wirken zu lassen – und was mache ich? Fange direkt wieder an zu bloggen. Mal sehen, wie lange ich es durchhalte. Ich würde euch aber gern ein bisschen teilhaben lassen. Vorweg: So professionell wie in Finnland wird es diesmal nicht (fängt schon damit an, dass ich sämtliche WordPress-Skills verlernt habe). Ich schreibe einfach Texte, wie es mir in den Sinn kommt. Lest sie – oder eben nicht;)

Unser erstes richtiges Erlebnis war der Aufstieg auf Mt. Fuji am Sonntag, unserem dritten Tag (okay, es war der zweieinhalbste. Freitag kamen wir erst spät an). Wir sind am Vorabend in das Dorf Fujiyoshida gefahren, von dem aus wir am nächsten Morgen starten wollten. Das Erste, was wir von der lieben Besitzerin des Hostels erfuhren: Wir kommen gar nicht auf den Fuji! Bis einschließlich Ende Juni ist Nebensaison, die Pfade und Hütten eröffnen frühestens am 1. Juli – und die Busse fahren spärlich. Der erste ist um 10.30 an der Ausgangsstation (5th Station, 2200m), der letzte fährt schon um 15.50 Uhr zurück. Heißt: Wenn wir nicht hochjoggen, ist es nicht möglich, das zu schaffen. Sie berichtete von einem Touristen, der im Mai kam und extra um 2 Uhr nachts aufstand, um vom Tal, also von ganz unten, an die Spitze zu laufen. Er kam um 20 Uhr wieder. Puh, nein danke.

Wir versuchten unser Glück einfach. Nahmen den ersten Bus, liefen los, durch die Absperrung und schon bald überholten uns ein paar Jogger (crazy!), manche waren sogar schon auf dem Weg nach unten. Imselben Tempo wie wir liefen zwei Jungs aus den USA den Pfad nach oben. Er war voller Serpentinen, mal schmaler, mal breiter. Mal sandiger, mal waren es große Steine und wir mussten fast klettern. Vor den Hütten gab es immer Stufen. Einige Hütten dienten als eine Art Basislager für diejenigen, die am Abend starten und am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein wollen. Wir saßen Schlafsack-Lager und viele Menschen, die in den Hütten arbeiteten, um sie fit für die neue Saison zu machen.

Die Sonne schien immer wieder durch die Wolken durch, wirklich durchsetzen konnte sie sich nicht. Der Sonnenbrand fiel uns erst am Abend auf. Hätte ich mal nur kein Bandana um die Stirn getragen… Dafür hatte ich unbändigen Durst und meine 0,5-Liter-Flasche war bald leer. Nahrung ist der Schlüssel, sagte Nicole und stopfte Pfannkuchen und Gummibärchen in sich. Sie war fit wie ein junges Reh, ich fühlte mich trotz reichlich Nahrung wie ein Kartoffelsack.

Je höher wir kamen, desto mühsamer wurde es, desto weniger Menschen sahen wir. Es waren fast ausschließlich Japaner (ich muss nicht gendern), die entgegenkamen. Mit der Höhe hatten wir nicht zu kämpfen, auch nicht mit der Kälte (es war warm). Dafür einfach mit den steilen Wegen und der schwindenden Kraft. Dennoch: Wir waren gut in der Zeit! Nach 3:40 Stunden begrüßten uns zwar Beton-Löwen am Eingang zum Gipfel. Der war noch nicht für Touristen hergerichtet, der Souvenirshop noch nicht geöffnet.

Dafür hatten wir einen unglaublichen Blick! Die meisten Leute versinken in der Nebelsuppe, wenn sie am Gipfel des Fuji sind. Wir aber hatten klaren blauen Himmel, die Wolken unter uns! Und wir konnten bis zum Kawaguchi-See schauen (dort waren wir heute), das war echt besonders. Auch der Krater in der Mitte war krass. Kegelförmig ging es nach unten, nicht tief, aber es wirkte wuchtig.

Der Weg nach unten war leider noch anstrengender und beschwerlicher als der nach oben. Zumindest für mich. Nicole wollte – vor allem mir zuliebe – nicht denselben Weg nach unten wie nach oben und entschied sich für einen sandigen, breiten Serpentinenweg. Sandig bedeutet aber: Man versinkt im Sand. Meine Schuhe waren Auffangbecken für Steine aller Größen, ich konnte sie kaum noch anheben. Beim Ausschütteln sah ich jedes Mal, wie schwarz die Socken und wie abgerieben die Sohle war. Immerhin waren wir richtig schnell. Zu schnell.

Okay, ich kam mal wieder kaum hinterher, dafür haben Nicole und die beiden Jungs aus den USA die Abzweigung zurück zu unserem Parkplatz verpasst. Bedeutete: Statt weiter in Serpentinen nach unten mussten wir geradeaus mitten über Vulkanaschewände und durch Wald und Gestrüpp, um wieder zum Parkplatz zu kommen. Für mich war es unglaublich schwer, mitten in der glatt nach unten laufenden Aschewand einen Weg zu finden und stabil zu bleiben. Mich legte es einige Male hin. Aber hey: Wann war ich schonmal auf einem Vulkan unterwegs?!

Am Ende haben wir eine Stunde länger gebraucht als geplant (sieben statt sechs Stunden – immer noch wahnsinnig schnell!) und die US-Jungs waren schon sehr in Eile. Der Bruder wartete unten, sie nahmen uns also nicht mit. Besser war’s vielleicht. Wir haben schnell eine sehr nette Japanerin mit ihrem Vater gefunden, die uns gern mitgenommen haben. Sogar bis ans Hostel. Und mochte Weizenbier und konnte „ein Prosit“ singen. Sachen gibt’s.

Berichte morgen von der Radeltour. Oder von Hakone. Mal sehen:)


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