Das Beste kommt zum Schluss

Die Aussicht im Helvetinjärvi Nationalpark: Ein beliebter Picknick-Platz für Finn*innen. (Foto: vk)

Wir begegnen im Helvetinjärvi-Nationalpark so vielen Menschen wie noch in keinem anderen Nationalpark und verlaufen uns trotzdem. In Tampere drehen die Eishockeyfans durch und wir freuen uns am meisten auf Entspannung am Abend.

Samstag, 21. Mai, Tag 7. Letzter Tag. Wir haben neben der Sauna die öffentliche Küche entdeckt, die zwar auch sehr gammelig aussieht, aber immerhin gibt es ein bisschen Besteck und einen Topf, mit dem wir Wasser erhitzen und daraus Kaffee und Porridge machen können. Frühstück direkt am See hat auch was – und hübscht unser Campingplatz-Erlebnis ein bisschen auf.

Unsere nächste – und letzte – lange, vierstündige Autofahrt führt uns in den Helvetinjärvi-Nationalpark. Der liegt eigentlich zu weit westlich für uns, aber ich habe ihn so oft empfohlen bekommen, dass ich ihn auf keinen Fall verpassen möchte. 12:20 Uhr auf dem Parkplatz am Eingang zum Nationalpark: mehrere Wohnmobile, Campingstühle, Wanderer mit großen Rucksacken. Fast zu großen Rucksäcken. Wir laufen los.

Im Nationalpark bestehen viele Wege aus teils steilen, schmalen Holztreppen, die cool für die Abwechslung sind, aber schlecht, wenn einem viele Menschen begegnen. Klar, wir waren nicht mehr ganz früh morgens unterwegs, die Sonne schien und es war Wochenende. Viele Familien, ältere Paare mit Hunden,

Freundinnengruppen spazierten im Nationalpark. Nicole sprach zwei Frauen an, die mit großen Rucksäcken unterwegs waren. Sie erzählten, dass sie über Nacht blieben und alles zum Schlafen und „a lot of food!“ dabei hatten. Auch einige Jüngere waren unterwegs, ein paar picknickten gerade auf den Steinen des zentralen Aussichtspunkts.

Viele Menschen picknicken im Helvetinjärvi-Nationalpark. (Foto: vk)

Der Blick auf die Helvetinkolu, die Höllenschlucht. Sie ist ein schmaler Felsspalt, dafür aber 40 Meter lang und fast ebenso tief, und bietet eine spektakuläre Aussicht, die sich fortstreckt bis zum Iso Helvetinjärvi, dem Höllensee. Von oben sieht er aufgrund seiner schmalen, langen Form aus wie ein Fluss, der sich seinen Weg durch den Wald bahnt. Eine lohnenswerte Aussicht.

Der Weg dorthin war für uns übrigens nicht so beschwerlich, wie in einigen Reiseführern angegeben. Die Treppenstufen sind zwar etwas mühsam, aber für fitte Menschen nicht besonders anstrengend. Wer sich auf Sumpf, Steine, Stufen und verwunschene Waldwege einstellt, wird nicht enttäuscht. Wir waren wohl ein bisschen zu tief im Märchenwald versunken, denn wir merkten erst 20 Minuten nach der letzten Abzweigung, dass hier im Dickicht keine Abbiegung kam. Nicoles GPS-gekoppelte Uhr zeigte den Weg auf der Karte auch nicht, der aber laut Outdoor Active kommen sollte. Wir gingen auf Nummer sicher – und deshalb den ganzen Weg zurück. Kostete anderthalb Stunden, war aber nicht weiter schlimm. Die Beschilderung im Helvetinjärvi Nationalpark war also ein wenig irreführend für uns.

So kamen wir ein bisschen später in Tampere an, als wir ursprünglich gedacht hatten, nämlich zur besten Eishockeyzeit. Finnland spielte hier nämlich gerade sein vorletztes Gruppenspiel gegen Österreich (die natürlich keine Chance hatten) und die ganze Stadt kleidete sich weiß und blau. Es fühlte sich ein bisschen an wie eine Fußball-WM light. Mehrere Großbildleinwände und Tribünen waren aufgebaut, die Restaurants und Kneipen waren überfüllt, draußen standen große Fernseher. Die Sonne strahlte, die Menschen saßen am Flussufer, liefen zum nächsten Public Viewing – natürlich im Finnland-Trikot. Der Unterschied zu Deutschland: Niemand eskalierte (das würden sie erst beim WM-Sieg tun) und es war doch ein bisschen weniger los als in einer deutschen Großstadt. War wohl nicht unsere beste Idee, genau jetzt etwas essen gehen zu wollen. Typisch finnisch konnten wir vergessen. Wir fanden schließlich in einem hippen Laden direkt am Flussufer einen Platz auf der Terrasse, zahlten aber auch den entsprechenden Preis. Nicole ärgerte sich ein bisschen über den teuren Hecht (jegliche Wortspiele verbieten sich), an dem ganz schön wenig dran war. Ich kam hingegen gut mit einem Salat mit Lachs und Shrimps klar.

Tampere ist im Eishockeyfieber: Zahlreiche Fans fiebern beim Public Viewing in der Innenstadt die finnische Nationalmannschaft an. (Foto: vk)

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher über den eher enttäuschenden „Sommer in der Stadt“, der weihnachtsmarktähnlich aus ein paar Ständen bestand, die meisten boten Burger und Bier an. Dafür musste man anstehen, weil die Anzahl an Leuten begrenzt war. Wegen Corona? Ich hab keine Ahnung.

Okay, noch zwei Stunden bis Helsinki. Der Tank wurde immer leerer, die Sonne ging wieder unter (um zehn dämmerte es schon!). Ich war schon echt müde und freute mich auf mein Bett, für Nicole aber war der Trip noch nicht beendet. Ob wir zum Abschluss nicht nochmal in die Sompasauna gehen wollten, fragte sie. Normale Menschen würden sie jetzt irritiert anschauen oder an ihrer geistigen Zurechnungsfähigkeit zweifeln.

Ich weiß, du siehst echt fertig und müde aus, meinte sie noch. Aber sie hatte mich längst. Ich grinste nur. Tatsächlich war die Sauna ein guter, entspannter Abschluss einer tollen Reise. Denn letztlich ging es uns doch in der ganzen Woche immer nur darum: Sauna gut, alles gut.


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