Vom Weihnachtsmann zu den Bären

Der Blick auf den Fluss auf der kleinen Karhunkierros-Runde im Oulanka-Nationalpark. (Foto: vk)

Das Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi ist im Frühling ziemlich unweihnachtlich. Dafür begeistert uns die Bärenrunde umso mehr. Endlich eine Wanderung, die uns gelingt!

Dienstag, 17. Mai, Tag 3. Ein Morgen im Mai, 9 Uhr, auf dem Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi. Unweihnachtlicher geht es wohl kaum. Die Hütten sind alle noch geschlossen, der Weihnachtsmann nimmt seinen Dienst erst ab 11 Uhr auf und lächelt in seinem Kostüm für die Kinder, die Rentiere stehen noch im Stall, das Huskygelände wird gerade geputzt und selbst das Postoffice des Weihnachtsmanns ist noch nicht geöffnet. In Deutschland hätte der Weihnachtsmann definitiv nicht solche lässigen Arbeitszeiten, aber sei’s drum. Wir stiefelten durch den Park, wunderten uns dabei, wie genial die Idee doch ist, aus dem Nichts einen solche Park zu stampfen, basierend auf einer Coca-Cola-Lüge. Und der ist auch noch besonders cool, weil er mitten durch den Polarkreis verläuft.

Der Souvenirladen ist ebenso raffiniert wie teuer, wir prügelten uns dort die Zeit tot, bis das Post Office öffnete und wir ein paar Postkarten kaufen (und direkt einwerfen) konnten. Auf dem Parkplatz überraschte uns Jonas mit der Bitte, wir sollten ihn doch am nahegelegenen Flughafen absetzen. Von dort aus wollte er nach Helsinki und dann zurück nach München fliegen. Er war wohl selbst überrascht davon, wie überrascht wir von dieser spontanen Aktion waren, dass er doch mit uns weiterfuhr. Und zwar in den Osten zum Oulanka-Nationalpark. Wir waren uns sicher: Diese Runde würde toll werden.

Das wurde sie auch: Wir liefen über hügelige Trails zum Fluss, der sich atemberaubend schön seinen Weg durch den Wald bahnte. Natürlich war auch hier alles voller Wald, noch immer hauptsächlich Nadelwald, aber schon ein bisschen vielfältiger als ganz oben im Norden. Immer wieder fielen auch einzelne Schneeflocken vom Himmel. Doch vom Schneesturm waren wir weit entfernt. Zum Glück. Wirklich warm war es zwar auch hier nicht, aber wir waren auch nur kurz unterhalb des Polarkreises.

Zurück auf dem Parkplatz sprach uns ein Paar ein, dessen Auto nicht mehr ansprang und fragte uns nach einem Überbrückungskabel. Hatten wir leider nicht, aber wir halfen gern beim (vergeblichen) Anschieben und Schauen, wo der Fehler liegen könnte. Sie waren mit ihrer kleinen Tochter und dem Wohnmobil unterwegs zum Nordkap und hatten vergessen, die Kühlbox vom Strom zu nehmen (merkt es euch!). Leider waren außer uns nur noch zwei weitere Wanderer unterwegs. Sie erbarmten sich und nahmen ihn mit in die nächste Stadt (etwa eine halbe Stunde Fahrzeit), damit er dort nach einem Kabel schauen konnte. Wer in Finnland unterwegs ist, sollte also gut vorbereitet sein.

Über den wintersportbekannten Ort Ruka fuhren wir zu unserem Airbnb – natürlich mit Sauna. Wir wollten nicht mehr ohne. Drei Gänge am Abend, danach auf der Veranda entspannen – für uns gab es keine bessere Abendbeschäftigung.

Am nächsten Tag verließ Jonas uns dann wirklich und wir machten uns auf zur bis dato längsten und schönsten Tour.


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