Wie kann es sein, dass ich nach vier Monaten in Finnland noch nichts über die finnische Sauna geschrieben habe? Vielleicht, weil es hier so herrlich einfach zum Alltag gehört. Mit einer deutschen Sauna ist das hier aber nicht zu vergleichen.
95 Grad, Haut an Haut, Schweiß an Schweiß. Die Hälfte nackt, die andere Hälfte mit Bikini und Badehose. Manche mit Bierdose, ein paar, die es wissen wollen, mit einer Dose Gin. Ein paar Leute lachen, ein paar diskutieren, auf jeden Fall ist es laut. Schweißperlen tropfen auf die Holzbalken. Die Frau, die am nächsten zum Ofen sitzt, schüttet unermüdlich Wasser nach, es zischt, wenn es die Steine berührt.
Die Sompasauna im Nordosten Helsinkis ist das, was man sich unter einer authentischen finnischen Sauna vorstellt. Drei Holzhütten und das Meer zum Abkühlen, das jetzt im Mai etwa acht Grad warm ist. Mehr gibt es nicht. Ernsthaft. Ein paar Kleiderständer stehen vor den Hütten, Holzhaken für Handtücher vor der Sauna. Und ein Klavier steht unter einem Vordach. Fragt mich nicht, ich habe keine Ahnung, weshalb.
Wer gern in die Sauna geht, weil er sich die aromatischen Kräuter des nächsten Aufgusses vom Saunameister erklären lassen und am liebsten die Stille genießen möchte, ist in einer finnischen Sauna falsch. Das Wort Dampfbad gibt es vermutlich nicht einmal im Finnischen und statt im Whirlpool zu chillen, hüpft jeder in die Ostsee. Einfacher und ehrlicher geht es kaum. Wie in so vielen alltäglichen Situationen mögen es die Finn*innen auch beim Saunieren einfach. Die Sompasauna ist dabei die ehrlichste Version.
Viele Finn*innen haben eine Sauna im Haus – oder sogar in der Wohnung. Manche haben sogar zwei: eine mit Holzofen und eine mit elektrischem Ofen. Holzöfen sind definitiv die beliebtere Variante. Finn*innen gehen häufiger in die Sauna als Deutsche, sie schwören darauf, dass Saunieren gesund ist. Wie ich gelesen habe, lautet ein finnisches Sprichwort: „Wenn Sauna, Schnaps und Teer nicht helfen, ist die Krankheit wohl tödlich.“ Vielleicht auch deshalb nehmen einige ihre alkoholischen Getränke einfach mit in die Sauna, doppelt hält besser.
Schon bevor ich einen Blogbeitrag über die finnische Sauna schreiben wollte, las ich viel im Internet darüber – und vor allem so viele unterschiedliche, angebliche Regeln, wie Sauna in Finnland funktioniert. Ich aber muss feststellen (und es sei ausdrücklich gesagt, dass das meine Erfahrung ist): Es gibt hier kaum Regeln. Jeder bleibt, so lange er oder sie möchte (Sanduhren habe ich noch in keiner Sauna gesehen hier). Wer gern redet, der redet. Wer sich gern besäuft, muss halt schauen, dass ihn oder sie jemand vor dem Eiswasser bewahrt, wenn er oder sie auf dumme Gedanken kommt. Wer gern mit Badekleidung in die Sauna geht, zieht Bikini und Badehose an. Wer lieber nackt geht, geht eben nackt. Schief angeschaut wird niemand und erst recht ist hier niemandem etwas peinlich.
Es gibt natürlich Saunen, in denen alles etwas „zivilisierter“ zugeht, zum Beispiel in Löyly. Löyly heißt auf finnisch Aufguss und ist eine neue, hippe Sauna mit Restaurant am südlichen Ende Helsinkis. Man zahlt 20 Euro für zwei Stunden, bekommt Handtücher, Shampoo, Duschgel und Wasser zum Trinken dazu und hat die Auswahl zwischen der normalen und der kleineren Rauchsauna. Hier ist Saunieren nur mit Badekleidung erlaubt. Aber auch hier darf man Bier und andere Getränke mit in die Sauna nehmen, auch der Sprung in die Ostsee ist (fast) obligatorisch. In Löyly bin ich nur einmal allein gegangen, sonst immer mit Besuch.

Das Wohnheim hat eine Sauna (Frauen und Männer gehen getrennt), die Ferienunterkunft in Lappland hatte mehrere Saunen und auch in vielen Airbnbs und Ferienhäusern ist eine dabei. Ich überlege schon, wie ich mir in Deutschland eine anschaffen könnte. Eine Fasssauna könnte vielleicht auf meinen sechs Quadratmeter großen Balkon passen… Nun ja. Ich genieße sie hier einfach weiter. Und gehe schon heute wieder. Wenn ein Klischee über Finn*innen stimmt, dann, dass sie Saunafanatiker*innen sind. Und das ist ziemlich sympathisch.
Ach übrigens: Ich habe noch nie Fotos in der Sauna gemacht, das ist nicht üblich. Stattdessen beschreibe ich lieber, wie es drin aussieht und gebe ein paar Eindrücke von außerhalb der Sauna. Ein paar für mich hilfreiche Infos und Tipps über die finnische Sauna gibt es HIER und HIER.
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