Die Festung der Finnen

Eine Festung, ein massives Mauerwerk auf einer Insel vor dem Festland: Suomenlinna sollte die Finn*innen früher vor Angreifern schützen. Der Ausflug ist wie eine Zeitreise, nur der Wind behält einen in der Gegenwart.

Mit der Fähre geht es ins 18. Jahrhundert, nur ein paar Minuten dauert die Überfahrt in eine andere Welt. Dabei hätte ich geschätzt, dass die Festungsanlage sicher noch ein paar hundert Jahre eher gebaut wurde. Tatsächlich entstand sie in den 1740er Jahren, als Finnland noch zu Schweden gehörte.

Modern ist nicht viel auf Suomenlinna, das verglaste Touristenzentrum gehört dazu und vielleicht noch der Supermarkt direkt neben dem Fähranleger. Ah, und die Musikanlage in der Bastion, aus der völlig unvermittelt „Behind blue eyes“ von Limp Bizkit dröhnt. Warum auch immer. Wer auf der Insel (besser gesagt: der Inselgruppe) ankommt, hat schnell das Gefühl, in einer anderen Zeit zu sein. Viel Kopfsteinpflaster, unebene Wege, Schotterwege. Nicht jedes Haus ist eine Burg, es gibt auch „normale“ Wohnhäuser hier (okay, es ist nicht wirklich normal, mitten in der Touristenattraktion des Landes zu wohnen). Die meisten der Wohnungen gehören dem Staat. Immerhin etwa 800 Menschen leben auf der Insel, die einen eigenen Stadtteil Helsinkis darstellt.

Suomenlinna besteht aus acht Inseln, die mit Brücken verbunden sind. Das Wahrzeichen ist das Königstor, die Festung am südlichen Ende. Über die Festungsanlage führt ein Pfad an der Küste entlang, alle paar Meter steht eine Kanone. Darunter sind die Reste der Bunker zu erkennen. Hier oben ist man der vollen Naturgewalt ausgesetzt: Die Insel ist in eine zentimeterhohe Schneedecke gehüllt und wie es so oft ist in Finnland: Schnee schützt nicht vor Glätte! Wer nicht aufpasst, den hat es schnell hingelegt. Der Wind lässt das Meer wippen (hier peitscht ehrlicherweise nichts gegen irgendwelche Felsen) und pfeift mir in die Ohren.

Ein Rundweg, ein glatter Weg und Kanonenrohre, die auf mich zeigen: Auf Suomenlinna lernt man die Naturgewalt zu spüren. (Foto: vk)

Man kann aufs Festland blicken, die riesigen Dampfer aus der Ferne anstarren und einfach die Natur auf sich wirken lassen. Das hat etwas Erhabenes und ist sicher nichts für jeden. Immer wieder führen schmale und steile Treppen hinunter an den Strand, von dem man bei so viel Schnee nichts sieht. Hier und da haben es ein paar Sträucher aus dem Schnee geschafft.

Ein Spaziergang über alle Inseln dauert ein paar Stunden, je nachdem, wie schnell oder langsam man ist und wie ausführlich man sich die Mauern, Wege und Häuser anschaut. Nicht immer gibt es im Tiefschnee einen vorgezeichneten Weg. Das kann auch mal anstrengend werden. Zum Glück gibt es ein paar Cafés, in denen man sich aufwärmen kann.

Suomenlinna im Sommer muss traumhaft sein. Ein Ort zum Entspannen, Picknicken und Baden. Man ist schnell dort und kann recht flexibel kommen und gehen. Im Winter fahren die Fähren seltener. Und doch glaube ich, dass sich ein Ausflug nach Suomenlinna im Winter lohnt. Der klare weiße Schnee und die rotbraunen Steine der Jahrhunderte alten Mauern bilden einen beeindruckenden Kontrast. Das umliegende Wasser gibt der Insel zusätzlich etwas Erhabenes und Beruhigendes.

Fähren nach Suomenlinna fahren ab dem Marktplatz (Kauppatori) im Sommer im 20-Minuten-Takt, im Winter im 40-Minuten oder Stundentakt. Wer ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr hat (Zone AB), kommt sogar kostenlos hin. Alle Infos gibt es hier.


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