Die bekannteste Marke für Schokolade und andere Süßwaren in Finnland ist Fazer. Bei der Führung im Fazer-Gebäude in Vantaa geht es um Verantwortung und ein gesundes Wohlbefinden – und hinterher gibt es Schoki ohne Limit.
Das Konzept hat mich ein bisschen an das von Nutella erinnert. Ferrero, der Hersteller der pappsüßen, aus Zucker und Palmöl bestehenden klebrigen Masse, bewirbt sein Produkt als Frühstücksaufstrich, den sich Fußball-Nationalspieler aufs Brot schmieren, bevor sie mit dem Training anfangen.
Auch Fazer ist sich klar: Wir liefern einen Beitrag für eine gesunde und nachhaltige Welt. Das Problem dabei: Sie sind vor allem ein Süßwarenhersteller. Sie verkaufen ein Produkt, das schlecht für die Zähne, den Blutzuckerspiegel und den Kalorienhaushalt ist. Aber sie sind verdammt gut im Verkaufen. Und deshalb ist auch ein Besuch in der Fazer-Fabrik interessant. Die Fabrik liegt in der Stadt Vantaa, eine halbe Stunde nördlich von Helsinki. Besser gesagt, bei der Stadt Vantaa. Denn sie ist doch mitten im (verschneiten) Nirgendwo.
Das Besucherzentrum ist sehr modern und eher klein. Hier findet die Führung statt, die das Erasmus Student Network organisiert hat und an der ich teilnehme. Eine Führung durch die Fabrik, einen Einblick in die Herstellung der Schokolade gibt es nicht. Auch der Überblick über die Firmengeschichte ist eher kurz gehalten. Dabei ist die Geschichte des Unternehmens, das sich mit seinen rund 15.000 Mitarbeitern als Teil der finnischen Identität sieht, sehr spannend.
Stattdessen erzählte uns die Fazer-Mitarbeiterin lieber von den Bestandteilen, die ein Gehirn braucht, um glücklich zu sein. Dazu zählt neben Ernährung und Schlaf auch das Wohlbefinden. Die Botschaft, klar: Schoki macht happy! Stimmt ja auch. Als nächstes sollten wir Holzklötze, auf denen Symbole für Nahrungsmittel geklebt waren, in einen Baukasten legen und damit den perfekten Nährstoffmix für den Körper zusammenbauen. Ich habe niemanden gesehen, bei dem Schoki im Kasten war. Ich habe nicht einmal einen Schoki-Bauklotz gesehen…
Doch Fazer ist mehr als Schokolade, haben wir gelernt. Seit den Siebziger Jahre bemühte sich das Unternehmen darum, in das Catering-Geschäft einzusteigen, hinzu kamen Cafés, in denen eigene Backwaren verkauft wurden. Roggen- und Haferprodukte sind der Hit. Und ein gesundes Naturprodukt. Das gefällt Fazer natürlich.
Aus Hafer lässt sich nicht nur gutes Brot herstellen, für die die Firma eigene Mühlen betreibt, die Reste lassen sich für Verpackungen für Süß- und Backwaren hernehmen. Das ist eine eigene Station wert auf der Tour durch das Fazer-Besuchszentrum. Pflanzen in den Küchen verbrauchen wenig Wasser und werden platzsparend aufgehängt, Bruchstücke von Süßwaren werden weiterverwendet und in die Schokolade gemixt und dadurch, dass die Tüten rund statt eckig zusammenlaufen, wird ganz viel Plastik eingespart (fragt mich bitte nicht, wie viel). Das ist natürlich toll. Täuscht aber auch nicht darüber hinweg, dass Fazer kein gesundes Lebensmittel herstellt.

Wir bewunderten einen Nachhaltigkeitsbaum aus Plüsch-Tomaten und Plüsch-Petersilie, erriechten Schokoladen-Zusatzstoffe und bestaunten den Fazer-Osterhasen (er besteht aus vielen kleinen Fazer-Ostereiern, die aus der Schale eines Hühnerei bestehen und mit Nougat gefüllt sind – klingt crazy, oder?). Dann konnte die Schokoladen-Orgie beginnen. Eine Säule, an der viele halboffene Glaskugeln befestigt waren. In ihnen: Schokoladenpralinés in allen möglichen Varianten, mit Karamell und Salz, weiß und zartbitter, Mokka, Erdbeer, Blaubeer, Schokoriegel mit Waffeln, in der Crunchy-Edition oder mit Erdnuss.
Daneben eine Wasserstation, falls der Mund zu klebrig wird. Immerhin muss ja alles einmal ausprobiert werden. Mitnehmen von Konfekt ist strengstens verboten. Ich schaffte einen Riegel nicht, hielt ihn in der Hand und erntete sofort einen bösen Blick der Fazer-Mitarbeiterin. Dazu der Hinweis: Bloß nichts mitnehmen. Also warf ich den Rest des Riegels weg. Im Müll tonnenweise kleine Praliné-Verpackungen. Alles sehr sustainable.
Immerhin: Auch wenn wir keine Probierschokolade mitnehmen durften, bekamen wir einen kleinen Goodie-Bag, bestehend aus einem Brot (ja, richtig, ein Brot in der Schokoladenfabrik) und einer Tüte Gummibären (es waren keine Bären, aber wie nennt man die Gummis denn, wenn sie eine andere Form haben? Hinweise willkommen!).
Vermutlich werde ich jetzt umsteigen, von Schoki auf Brot. Denn das Fazer-Roggenbrot hat es mir schon sehr angetan. Ist auch besser für mein Wohlbefinden.
Fazer Experience Center, Fazerintie 6, 01230 Vantaa, Shop schließt um 16.30 Uhr
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